Abendschatten
Ich sehe sie. Sie atmet schwer.
Sie ist gewohnt, ganz stark zu sein.
Ihr Blick ist fragend, sagend, leer.
Sie sitzt bei mir und ist allein
gekommen, um es nicht zu bleiben.
Sie ahnt fast alles, doch sie schweigt
und lässt sich schweren Herzens treiben.
Sie hält sich gerade, doch dann neigt
sie müde ihren Kopf zur Seite,
wo eine übermüde Hand ihn fängt.
Ich sage nichts. Bin wach und breite
ein großes Warten aus. Es drängt
mich nichts zu einem Rat. Ich wüsste
beim Sprechen schon, dass er verhallt.
Es gibt nichts mehr, was sie noch müsste.
Wir wissen beide: bald, ganz bald
wird alles um sie wie verschwimmen.
Ein neues großes Bild taucht auf.
Dann wird nichts mehr und alles stimmen.
Den Tränen bleibt jetzt freier Lauf.