Am offenen Fenster

Die Luft, die durch das Fenster streicht,
ist kühl und selbstverständlich wie die Hand
der Mutter, die nicht von mir weicht
im lang verschollnen Kinderland.

Ich schließ die Augen, stell mir vor,
ich wäre noch einmal ganz klein,
als ich den Schutzengel beschwor,
er möchte immer bei mir sein.

Und als ich groß war, ging ich gerne
des Nachts auf’s dunkle, weite Feld
und stellte mich unter die Sterne,
fühlt mich gehalten auf der Welt.

Die Jahre gingen rasch dahin.
Ob auch ein Engel altern kann?
Er kam mir oftmals aus dem Sinn
und auch zurück, so dann und wann.

Jetzt denk ich manchmal, er ist nah,
doch wär mir Mutter lieber jetzt.
Und ungescheh’n, was mir geschah.
Ich fühle mich so tief verletzt.

Wie kann man so bedürftig sein!
Umringt, gepflegt, umsorgt und doch
im tiefsten Inneren allein.
Ach, käme einmal Mutter noch.

Tags »

Autor:
Datum: Donnerstag, 10. September 2009 9:23
Trackback: Trackback-URL Themengebiet: Abendschatten

Feed zum Beitrag: RSS 2.0 Diesen Artikel kommentieren

Kommentar abgeben

Login erforderlich