Abendgebet
Oh, Herr, lass es bald Abend sein,
ich hab den Tag verflucht, den meinen,
erlöse mich von dieser Pein,
lass Mondlicht in mein Zimmer scheinen.
Ich lösch die Kerze und erwarte
die Träume, beide Arme weit.
Der Tag, er log, und wieder narrte
das Gaukelspiel der ‚Wirklichkeit’.
Nein, nirgends geht es wahrhaft zu
als in der Phantasie Gesänge.
Der Schattenwälder tiefe Ruh
befreit von aller Tagesenge
und schenkt mir Flügel, federleicht.
Auf denen gleite ich zu dir.
Und hab ich dich auch nie erreicht,
so bin ich fort vom ‚jetzt’ und ‚hier’.
Mein Herz verlässt das leere Treiben,
verliert sich in der Farben Rausch.
Ach, könnt ich in den Nächten bleiben –
ich böte jeden Tag zum Tausch.