Abpfiff

Ein moosgrünes Blatt. Ebenmäßig glasiert. Mit ganz schlankem, sich in der Fuge verlierenden Stiel. Eingebettet in ein warmes, sandsteinhelles Ocker wie eine kostbare Gravur oder Intarsie.
Ihre Augen wanderten einen winzigen Schritt weiter. Zu einer ebensolchen, ebenmäßigen Schönheit. Alles geordnet. Ruhe. Wie in einer Kirche verlor sie sich, nach oben schauend, im Gewölbe des Jugendstilbahnhofs, folgte dem Deckenfries in seiner harmonischen Monotonie, bis die Arthrose ihrer Halswirbelsäule der Neigung des Kopfes schmerzhaft Einhalt gebot. Wie elektrisiert fuhr sie zusammen und stöhnte. Ganz leise.
Wie oft hatte sie diese Halle durchquert! Wie oft nach Kleingeld gesucht für den Fahrkartenautomaten. Sie hörte sein kurzes ‚Klick’ beim Eindruck der Tariftaste. ‚Klick’ – und nach dem Einwerfen des Geldes, das sie immer passend dabei hatte, ein Schnurren, wie von einer winzigen Spule. Stroh zu Gold. Lautlos glitt der Fahrschein in die Griffmulde. Im Aufdruck zogen sich winzige, kunstvolle Schlingen zentripetal in ein weißes, ovales Feld, das den Betrachter wie eine Abflussöffnung in die leere Tiefe rinnen ließ.

Wo Horst nur blieb!

Sie zog die heruntergerutschte Handtasche wieder auf die ungewohnte rechte Schulter. Seit ihr linker Arm anschwoll, beherzigte sie die vielen Faltblattratschläge und entlastete ihn, so oft sie daran dachte.

In den dicken Glasscheiben des Bahnhofskiosks spiegelte sie sich schattenhaft. Wie gedrungen sie wirkte! Fast plump.
Unwillkürlich richtete sie sich auf. Der weite Mantel gab ihr etwas Säulenartiges, Dosenförmiges, Uniformes. War dabei gnädig. Denn es gab keine Taille mehr zu verbergen. Siebzig Jahre hatten sie zusammensintern lassen. Auch ihr Profil schien ihr verwittert. Und seit ihrer Operation fühlte sie sich wie ein Torso im römisch- germanischen Museum.

Unentschlossen ließ sie sich in die Halogenlichter des Kiosks ziehen und schlenderte die Drehgestelle entlang, in denen Taschenbücher der einschlägigen Verlage Gefühlsnuancen wie Register einer riesigen Orgel bereithielten. Am ‚Spieltisch’ lagen schwarz- weiß die Gazettenmanuale, flankiert von grellbunten Illustriertenpedalen.
Sonnengebräunte junge Frauen ließen müde Rentnerblicke, gelangweilte Teenygeilheit und unverhohlenen Voyeurismus in den Trichter ihrer Décolletés fließen.
Ihr Blick verschwamm, als hätte sie eine 3-D-Postkarte zu enträtseln und sah das ginkgoähnliche, moosgrüne Blatt des Deckenfries’ auf den Décolletéstrudel zutreiben.
Dann spürte sie ein Reißen in der Narbe und wusste im gleichen Augenblick, dass dieses Blatt keinen Halt mehr bei ihr gefunden hätte und taumelnd in den Rinnstein der Versehrtheit abgetrieben wäre.
Sie sah unvermittelt ein junges Mädchen neben sich stehen. Sich leicht in den Hüften wiegend, mit Knöpfen im Ohr, blätterte sie in einer ‚Elle’. Ihr langes, schwarzes Haar fiel in Kaskaden über Schultern und Rücken. Unwillkürlich dachte sie an die‚ Sünde’ von Franz v. Stuck. Und wieder verlor sich ihr Blick. Strandete in der sanften Wölbung des erdfarbenen Pullovers, der unauffälligen Vollkommenheit des Alltäglichen.
Was für hässliche Pickel das Mädchen hatte! Einer, an der Backe, trug eine grellgelbe Spitze, die jeden Augenblick platzen musste. Erschrocken wich sie zurück, als könnte der Eiter sie treffen.
Sie drehte sich abrupt zu den Taschenbuchregistern und zog beherzt blind einen Titel aus einer Sachbuchreihe. ‚Leben mit Krebs’. Das Buch glitt ihr aus den Händen, fiel auf den Boden und bekam ein Eselsohr. Die Frau an der Kasse guckte missbilligend. Sie errötete, hob das Buch schwerfällig auf, tat so, als ob sie mit Interesse blättere und schob es kurze Zeit später unangenehm berührt in die kaum wahrnehmbare Lücke zwischen ‘Der kleine Kakteenfreund’ und ‚Erfolg bei der Cocktailparty’. Blicklos verließ sie das Geschäft. Draußen rieselte aus den Lautsprechern eines Würstchenstandes schnulzig und halblaut das Rückgrat eines Ohrwurms. Zwei junge Männer bissen in eine Currywurst und rissen an den Laschen ihrer Bierdosen.
Sie ging die Treppen hinunter zu den Bahnsteigen, in die zugige Redlichkeit. ‚Willkommen und Abschied’, dachte sie. Und: Goethe ist tot!.

Draußen dämmerte es bereits. Sie konnte Zwielicht nie gut leiden. Nicht nur, weil sie als Kurzsichtige dann besonders große Probleme beim Autofahren hatte. Sie hasste die Übergänge, liebte das klare Helle des Tages und die dunkle Nacht. Einmal war sie für kurze Zeit mit ihrem Bruder am Äquator gewesen.

Sie ließ ihre Handtasche auf eine Bank gleiten. Auf einer Seite hatten Regentropfen das Holz bis zur Unkenntlichkeit geschwärzt. In der trockenen Zone zogen Holzschnitzereien wie Kreuzzugsheere verdämmernden Minnesangs herzweise über die Buchenholme.
Wie alt ‚G’ und ‚M’ jetzt wohl waren? Die Ränder der Keilschrift waren schon fast von der Zeit eingeebnet. Möglicherweise waren Jahre vergangen seit diesem Riefenbekenntnis. Vielleicht hatten sich ‚G’ und ‚M’ gefunden, umworben und waren nervös in ein Bett gesunken, aus dem sie sich nach langem Suchen ernüchtert und wortlos wieder davongeschlichen hatten. Vielleicht hatten sie inzwischen zwei Kinder und eine Videokamera. Im Urlaub passt Oma auf die Kinder auf, während ‚G’ und ‚M’ in einer spanischen Touristenkneipe Samba tanzen, er mit inzwischen schütterem Haar, sie mit einer Speckrolle über der Hüfte, die sich nur schwer von dem hautengen Seidenhemdchen bändigen lässt.
Die Bank schien ihr schmutzig, klebrig, wie mit Sekreten bekleckert. Dennoch ließ sie sich fallen. Und im dumpfen Aufschlag ihres Gesäßes kam es ihr wieder hoch. Aus einer anderen Welt. Nicht der des angedienten Zynismus der letzten Jahre.
Sie sah Mutter. Mutter, wie sie sich fallenließ auf die Verandabank unter dem Küchenfenster. Es war weit nach Mitternacht. Neujahr. Ein eisiger Hauch hatte Blumen ans Fenster gemalt. Aber der Alkohol machte Mutter unempfindlich. Selbstverloren grinsend starrte sie an den Sternenhimmel zu Orion, dem alten Jäger. Und um ein Haar hätte sie sich vor sich selbst verneigt, vor der Noblesse ihrer Attitüde. Sie, Eos, triumphierend über den Neid der nicht der Liebe Verfallenen. Schon sirrten die Pfeile.

Es war der Jahreswechsel 1938/39. Die Kristallnacht lag hinter ihnen und auch der Sivesterklavierabend, den Mutter inszeniert hatte. Vater war diskret ins Bett gegangen. Mutter hatte angetrunken noch diverse Arien geschmettert, bis sie dann in den Armen des ebenfalls angetrunkenen von Rinkwitz albern kichernd zusammenbrach.
Sie selbst war vom Geklirr der zu Boden gefallenen Gläser erwacht und hatte dem Treiben zunächst von der Treppenempore und Mutters Verzückung vor Orion vom Küchenfenster aus zugesehen.
Am späten Morgen war Mutter verkatert und einsilbig, Vater korrekt.
Diese Szenen waren allen bekannt: Mutter, Vater und zwei Dutzend von Möchtegernkünstlern, die so wie Mutter an ihr Talent glaubten, es nicht wagten und nur in exhibitionistisch anmutenden Inszenierungen andeuteten.
Nie hatte sie mit irgend jemandem darüber gesprochen. Die Bilder waren in ihrem Inneren präsent und wieder auch nicht. Völlig isoliert. Aufgehoben in einem gläsernen Kästchen, zusammen mit anderen maßlosen Verwunderungen.
Mutter wäre gern Pianistin geworden. Aber dann heiratete sie doch lieber einen Bankier und litt unter Migräne. Ihre Kinder – sie hatte einen Jungen und ein Mädchen – scheuten sich Gäste mit nach Hause zu bringen. Man konnte nie wissen …
Dafür sorgte Mutter umso mehr für Besuch. Meist Herren. Und die Blumenboten kicherten irgendwann unverschämt, wenn sie wieder dunkelrote Rosen von irgendeinem Verehrer auf der hohen Treppe vor der Haustür überbrachten. Die Blumen standen dann einen Tag lang auf dem Esszimmertisch und wurden dann wortlos von Vater nach draußen gebracht auf den Verandatisch. Auch im Winter.

Sie konnte sich nicht erinnern, ihre Eltern jemals im Streit erlebt zu haben. Ihre Ehe verlief wie ein Stummfilm und war von einem unbekannten Regisseur mit sanfter, melodramatischer Musik unterlegt, die jeden Samstagabend, an dem man zu müde für eine Unternehmung gewesen wäre, zu einem unvergesslichen Erlebnis gemacht hätte.

Beide wurden uralt. Ihre Villa verließ Mutter auch nicht nach Vaters Tod. Erst als ein Schlaganfall ihr die Beweglichkeit nahm, erklärte sie sich widerwillig unter dem Druck ihres Sohnes bereit, in ein Altenwohnheim umzuziehen. Natürlich in ein vornehmes, in das sie auch den Flügel mitnehmen konnte, auf dem sie nie mehr spielte.

Wie Mutter wohl gestorben war? Sie hatte nie danach gefragt. Ihr Bruder war seinerzeit in Australien, sie selbst hatte in den letzten drei Jahren keinen Kontakt mehr zu ihr, nachdem sie sich irgendwann den despotischen Aufforderungen nach täglichem telephonischen Rapport in ihrem zweiundfünfzigsten Lebensjahr endlich widersetzt hatte. Dann war es gut. Endlich hatte sie eine positive Beziehung zu ihr. Sie stellte sich ein Bild von ihr auf ihren Schreibtisch und lächelte, wenn sie auf die attraktive Frau sah, die dort bei einem Strandurlaub von einem Photographen festgehalten worden war. Vater stellte sie sicherheitshalber einen Meter von ihr entfernt auf. In anderem Rahmenholz. Die Gräber beider, die nebeneinander lagen, besuchte sie nie.

Eine Windboe schrieb eine Regenzeile auf ihren Mantel. Sie zuckte kurz zusammen. Fröstelte ein wenig. Mit dem Finger glitt sie über die Riefen in den Holmen. Drehte dann mit Daumen und Zeigefinger der linken Hand an ihrem Ehering, der ihr im Laufe der Jahre knapp geworden war. Ein junger Mann trat auf sie zu und reichte ihr ein Flugblatt. Unwillkürlich hatte sie ihre Handtasche fester umgriffen und ließ den Griff erst wieder lockerer werden, als er wieder drei Schritte entfernt war.
Der Zug war jetzt angeschlagen. Aber Horst war noch nicht zu sehen.

Sie konnte sich nicht daran erinnern, jemals eine gute Freundin gehabt zu haben. Erst verbot ihr Mutter den Umgang mit den nicht standesgemäßen Nachbarskindern. Dann hatte sie über der seltsam bedrückenden Atmosphäre des Elternhauses eine Heimat im Lesen gefunden. Sie las und las. Und bald schienen ihr die Helden und Heldinnen ihrer Bücher vertrauenswürdiger als jede erdenkliche Freundin.

Es war, als hätten Mutters Inszenierungen sie mit einem Bann belegt. Und ihr hysterisches Gekicher hatte wie Häme ihre Haut durchbohrt wie ein Angelhaken, Häme über das eigene Geschlecht. Bis sie Horst kennenlernte. Viel später.
Lange ging sie in ihrem Beruf auf. War beliebt wegen ihrer Pünktlichkeit und ihrer Arbeitsmoral. Bei Betriebsfesten trank sie schon mal ein Glas Moselwein und wurde dann gesprächig. Und rotwangig. Was ihr später peinlich war. Irgendwann, eine schmerzhafte Erinnerung, hatte sie ein mittelaltriger Kollege in angesäuselter Laune mit zu sich nach Hause eingeladen. Sie fuhren in seinem vornehmen Mercedes in eine Vorstadtstraße, parkten unter Flieder- und Jasminbüschen und gingen eingehakt und singend zur Eingangstür eines zurückgesetzten Hauses, das sie an ihr Elternhaus erinnerte. Unter dem geschwungenen Regendach, oben auf der Freitreppe, nahm er sie überschwänglich in die Arme und versuchte sie zu küssen. Dann ging hinter ihnen das Licht an und eine Frau stand wortlos im Flur. Durch die geriffelten Fensterscheiben der Tür sah man ihr Zögern.
Abrupt hatte sie sich abgewandt und den Garten verlassen. Gedankenlos irrte sie durch die Sommernacht zurück nach Haus. Im Grunde war es ihr recht. Später sprach man nicht mehr darüber.

Ein Zug fuhr durch. Mit großem Getöse ratterten rot- silberne Wagen an ihr vorbei. Zwei der Wagen waren über und über mit Grafittis besprüht. Nichts blieb sauber, nichts intakt. Überall sah sie Narben und Entstellungen.
In die monotonen Geräusche der einbrechenden Nacht bahnte sich ein Martinshorn eine Schneise. Jetzt war das grellblaue, rotierende Licht zu erkennen. Huschte wie ein Fliehender über die Straßenfragmente ihres Gesichtsfeldes und der gellende Ton verschwand mit einem fast abrupten Decrescendo, während das blaue Licht wie Rotorblätter weiter in der Region des Bahnhofsvorplatzes durch die Dämmerung flirrte. Die von niemandem angezweifelte, unverkennbare Wichtigkeit dieser Erscheinung lag schwer auf ihren Schultern. Sie wirkte jetzt noch gedrungener.
Dann erst fiel ihr der Zettel ein, den sie gerade in die Hand gedrückt bekommen hatte:

„ Sie könnten die nächste sein, die Hilfe braucht!
Spenden Sie Blut!“
Unter der dickbalkigen Überschrift Ort und Zeit der möglichen Blutspende.

Früher hatte sie gern Blut gespendet. Jetzt war sie davon ausgeschlossen. Aber sowieso war sie jetzt auch zu alt dafür. Sie spürte die sich allmählich vergrößernden Kreislaufprobleme. Ihre Ruhezeiten wurden länger.

Die Neonlichter des Bahnsteigs warfen Reflexe auf ihre Fingernägel. Wie immer waren sie sorgfältig geschnitten und gefeilt. Aber die glatte Oberfläche war verschwunden. Riefen hatten eine immer deutlichere Struktur gebildet, Textur nicht zu verleugnenden Alters. Und in letzter Zeit brachen sie auch immer häufiger.

Noch drei Minuten bis zur Abfahrt. Der Wind war kühl, fuhr dünnfingrig unter Rock und Mantel und bauschte sie sekundenschnell auf wie eine Windhose.

Noch drei Minuten. Wo mochte Horst sein? Sie zitterte vor Erregung. Sie hatten sich doch verabredet. Oder hatte sie ihn missverstanden? Nein, nein. Am Eingang. Beim Billetschalter.
Sie trug ein abgeändertes Kleid von Mutter. War viel zu dünn angezogen und fror. Nein, zitterte vor Erregung.
Dann, ganz klein, erschien ein Punkt am Horizont. Wie eine Sternschnuppe fiel er mit rasender Geschwindigkeit auf den Bahnhofsvorplatz, hämmerte mit riesigen Schritten auf sie zu und riss sie, über das ganze Gesicht grinsend, mit sich auf den Bahnsteig. Der Zug fuhr gerade an. Ruckelnd, ächzend. Sie rissen eine Tür auf, sprangen auf das Trittbrett und verharrten einen Moment atemlos keuchend, stürmten dann in ein Abteil dritter Klasse und ließen sich auf die harten Holzbänke fallen.
„Ach, Horst!“
Der Zug fuhr durch die noch mit Trümmern gespickte Vorstadt der fünfziger Jahre. Ihre erste gemeinsame Fahrt. Sie erinnerte sich an die kühle Luft, die durchs undichte Fenster zog. Horst nahm sie in den Arm und berührte fast unbemerkt ihre linke Brust mit den Fingerkuppen, die immer wärmer wurden und bald auf ihrer Haut lagen wie heiße Esskastanien in winterlich klammen Händen.
„Ach, Horst!“

Sie zuckte leicht zusammen. Einen Moment lang hatte sie geglaubt, Horsts Hand wieder zu spüren. Horsts Hand an ihrer linken Brust, die es nicht mehr gab.
Wo war ihre Brust nun, ihre linke, besondere, mit dem kleinen Leberfleck am oberen äußeren Rande?
‚Wie dumm’, dachte sie. Aufgefahren in den Himmel. Durch den Schlot eines Pathologiekrematoriums. Wie feiner Staub hatte sie sich über die Stadt gelegt. War überall. Auch hier. Dunkler, fettiger Ruß auf den glänzenden Gleisen.
Und die Fingerabdrücke? Sie waren mit verbrannt. Treu. Fingerabdrücke ihrer großen Liebe. Als wäre ihr ein Beweisstück abhanden gekommen. Und unwillkürlich fasste sie sich an die rechte Brust, wie um sich zu vergewissern, dass ein Teil ihrer unverwechselbaren „Identimität“ noch vorhanden war. Sie lächelte über die wie ein Geysir aufgeschossene Wortschöpfung.

Unvermittelt ging sie, so schnell sie konnte, die Treppe hinauf. Verschwand hinter einer Anschlagtafel und studierte geistesverloren den Abfahrtsplan. Fast unverändert! Das gelbe Papier, die Symbole, der Schrifttyp. Man konnte sie erkennen, wenn man den Blick improvisieren ließ, nach all den Jahrzehnten: Beständigkeit.
Niemand sah sie, als sie die Ohren mit den Händen bedeckte und sich mit den Zeigefingerkuppen auf dem Tragus vor dem Kreischen der Bremsen des einlaufenden Zuges schützte. Wie versteinert stand sie da. Bis der Zug längst abgefahren und seine roten Rückleuchten verschwunden waren.
Als sie ganz sicher war, dass nichts mehr von dem Zug zu sehen war, ging sie wieder die Treppe hinunter. Drehte sich in die Richtung des abgefahrenen Zuges und schloß die Augen. Sie spürte seine Hand auf der linken Brust und seinen sich langsam beruhigenden Atem.
„Ach, Horst!“

Horst war so anders als die Verehrer ihrer Mutter. Anders als ihr Vater. Nichts an ihm schien ihr konventionell, nichts Spiel. Er war mit Blumen undenkbar. Undenkbar, dass er jemals pünktlich wäre.
Horst war da und nicht da. Ohne Übergang. Wie her- und fortgezaubert. Wie an jenem Juniabend.
Sie saß in der Kirche und übte an der Orgel. Bach. Und wieder Bach. Und wie mechanisch reproduzierten ihre Finger und Füße jahrhundertealte Melodien, reihten sich ein in Heere von Händen, die über Tasten glitten, uralte, vertrocknete Greisenhände, kräftige Kantorsknöchel, zarte Kinderhände, die gerade mit Ehrfurcht den ersten Anschlag vernahmen.
Alle spielten Bach. Und die Kirche barst vor dem Echo der tausendfältigen Harmonie. Sie spielte. Und verlor sich. Und war froh sich zu verlieren. Suchte sich nicht wie ihre Mutter in den Zuhörern. Alles, was sie brauchte, war das Berühren der Tastatur und der Pedale.
Wie zuckte sie zusammen, als sich eine Hand auf ihre Schulter legte! Sekundenschnell fuhr sie herum. Da stand er. Sah sie an. Sprach kein Wort. Rutschte dann zu ihr auf die Bank und begann zu spielen. Deutete ihr an mitzuspielen. Unsicher griff sie einige Takte. Und er variierte in unglaublich zartfühlender Bewegung Fragmente, die wie Schattenrisse dem Gespielten Tiefe und Dimension gaben.

Sie saßen wohl Stunden dort. Eine? Zwei? Sie wusste es nicht. Zeit war nicht mehr bestimmbar. Sie spürte nur, wie ihr Atem schneller ging, unregelmäßiger. Als gelte es, eine riesige Stufe zu erklimmen. Irgendwann sah sie sich als einen der Engel am Orgelprospekt. Ihr goldenes Hemd flatterte im Wind des Blasebalgs.

Was folgte war eine Fuge. Unübersehbar und berechenbar. Mathematisch, archaisch. Und fern von jener beißenden individualistischen Art des Elternhauses, die sich vorgab, ohne nur jemals einen einzigen Schatten geworfen zu haben. Sie schritt nicht mehr, sie tanzte. Sie sprach nicht mehr, sie sang. Sie lebte nicht mehr, sie liebte.

Willkommen und Abschied. Will kommen. Und: Abschied wird kommen… Will kommen und Abschied. Abschied und will kommen. Schied ab. Und Abkommen. Und will, will, will kommen!
Goethe lebte. Aus allen Fugen.

An jenem Abend besuchten sie ein Konzert im nahen Dom. Die Orgel war gerade notdürftig in Stand gesetzt. Sie freute sich darauf, in dem alten, hohen gotischen Gewölbe zu lauschen. Der Zug fuhr holprig. Und sie fuhren zusammen. Das erste Mal. Und seine Finger lagen auf ihrer linken Brust. Wie Esskastanien in einer winterlich fröstelnden Hand.

Der Bahnsteig war leer. Wie gefegt. Eine Kehrschaufel voll Menschen war verladen worden für eine Zeitreise. Reise auf Zeit. Dann würden sie vielleicht wiederkommen. Wie ein Motiv, eine Variation.

Vor dem Bahnhof schwirrten noch immer die Rotorblätter des blauen Lichtes lautlos wie Fledermäuse durch die Nacht. Doch nein, sie taumelten nicht, schnitten ebenmäßig, wie technische Zeichner kühle Blässe in das Relief ermattender Geschäftigkeit.

Immer mehr Bilder und Erinnerungen fielen ein, stürmten ungestüm durch ihre Gedanken, wirbelten zusammenhanglos im Kreis, ja, wie die elektrisch angetriebene Anzeigetafel die Reiseziele in Sekundenschnelle verblätterte.
Sie hätte nicht gewusst, welches Ziel ihr jetzt angenehm gewesen wäre.
Ein dunkelblau gekleideter Arbeiter mit einem großen, zangenähnlichen Werkzeug schritt umsichtig über die Gleise und verschwand in einem Schuppen. Ob er Sehnsucht hätte nach all den Zielen, unter deren Anschlag er Tag für Tag arbeitete? Warszawa, Paris, Roma, Wien?
Vielleicht verbanden sich für ihn gar keine Assoziationen mit diesen Namen. Sicher, er würde diese Namen gehört haben. Aber nichts verbände er damit. So wenig wie mit Bach oder einer Fuge.
Der Gedanke machte sie traurig. Sie griff in die eingeritzten Buchstaben der Bankplanke, als könnte sie sich dort festhalten.
Wenn sie ihre Bilder anhielt, ihre Aufmerksamkeit einrasten ließ, wie das nächstgültige Reiseziel, veränderte sich augenblicklich die Welt. Es gab keine Welt, die die Gebote der Bilder hätte missachten können. Sofort patrouillierende Stimmungen sorgten für eine sich ändernde Wahrnehmung.
In ihren Pupillen verfing sich das blaue Licht des Bahnhofsvorplatzes. Ganz langsam setzte sie sich in Bewegung. Wie eine Marionette, deren Fäden sortiert und probehalber bewegt werden. Dann ging sie langsam, aber unaufhaltsam, magisch geführt die Treppe zur Bahnhofshalle empor. Die Pferde auf einer Zigarettenleuchtreklame neben den Stufen galoppierten ohne einen Ton. Unbewegt wie ein Sternbild.
Sie durchquerte die mittlerweile fast menschenleere Halle und drückte die Schwingtür zum Vorplatz auf.

Als hätten sich alle Bahnhofspassanten zu einem Knäuel kontrahiert, stand eine Menschentraube um einen älteren Mann, der scheinbar leblos auf dem Boden lag. Ein Notarzt bearbeitete heftig seinen Brustkorb, während ihm ein anderer mit einem beutelähnlichen Gerät Luft in Mund und Nase blies.
Sie starrte auf das Gesicht des Mannes. Seine Augen schienen endlos aufgerissen, krampfhaft gehalten und doch ganz ohne Spannung. Eine bläuliche Farbe lag auf Gesicht und Händen. Die Arbeit der sich hektisch bewegenden Helfer schien ihr so selbstverständlich wie deplaziert. Die ganze Szene wirkte wie ein Aufbegehren, ein letztes Crescendo vor dem Schlussakkord eines großen Konzertes.

Sie konnte sich der Szene nicht entziehen. Bahnte sich langsam einen Weg durch die Umstehenden, bis sie ganz nah an die drei Protagonisten herangerückt war.
Wie sorgfältig der alte Mann gekleidet war! Wie gerade der Scheitel saß, das Kinn so glatt rasiert, der Schlips mit Liebe gebunden.
Sie sah ihn vor Stunden am Spiegel stehen. Mit etwas ungelenk gewordenen, vielleicht schmerzenden Fingergelenken hatte er seinen Schlips gebunden. Mit jahrzehntelang geübtem Duktus. Hatte den Knoten dann sorgsam angezogen. Zum letzten Mal?
Ihr Blick verschwamm. Eine tiefe Sanftmut durchströmte sie. Niederkniend nahm sie ganz verstohlen eine Hand des alten Mannes.

„Horst“, murmelte sie. „Horst“.

Die Umstehenden wichen leicht zurück vor der angedeuteten Vertrautheit. Die Helfer stutzten. Ohne ihre Arbeit zu unterbrechen. Kamen nur kurzzeitig aus dem Takt ihrer rhythmischen Tätigkeit.
„Sie kennen den Herrn?“

Eine Träne lief ihr über die Wange.
Die Frage verhallte und nahm sich taktvoll vollständig zurück. Ein Sanitäter hatte mittlerweile eine Trage direkt neben den alten Herrn bugsiert. Alle drei Helfer hoben ihn blitzschnell und gekonnt an. Dann schob einer sie sacht beiseite und raunte ihr zu: „Wollen Sie mitkommen?“
Sie nickte. Stieg nach vorn in den rot- weißen Mercedes- Hochbau. Ließ sich vorsichtig nieder auf dem schon recht durchgesessenen Beifahrersitz und fühlte eine langsam hochkriechende Stimmigkeit. Eine Ahnung der Wahrheit, die der Trauer stets vorangeht.

Ja, vielleicht war es so gewesen.

Mit lautem Horn jagte der Wagen durch die nun vollendete Dunkelheit. Leuchtreklamen, Ampeln, Straßenlaternen und das blaue, flirrende Licht – die Geschwindigkeit ließ alles an ihr vorbeiziehen wie die Spur eines Kometen.
Die Nacht war klar. Orion, der Jäger, stand scheinbar unbewegt über ihnen, während der Notarztwagen wie ein Pfeil die Straße entlangschoß.

Zu spät. Die Geschichte war schon geschrieben. Unauslöschlich zum Bild geronnen.

Während der Wagen nun seine Fahrt verlangsamte und in eine Krankenhauszufahrt einbog, hörte sie deutlicher die im hinteren Wagenteil nach wie vor fortgesetzten Tätigkeiten der übrigen Helfer. Dann ging alles ganz schnell. Rufe schallten aus einer scheunentorähnlichen Öffnung des Krankenhauses. Weißgekleidetes Personal stand im Neonlicht mit einem Rollwagen bereit. Ehe dass sie sich versah, war der alte Herr in einem Aufzug verschwunden.
„Kommen Sie!“, sagte einer der Helfer. Geleitete sie zu einem kleineren Lift und brachte sie zur Intensivstation.
„Warten Sie dort!“ Und er wies auf eine Reihe von Sitzbänken. „Sie bekommen Bescheid. Sobald als möglich.“
Sie setzte sich. Der als Warteraum genutzte Flur vor der Intensivstation war fast leer. Nur hin und wieder segelte eine weiße Gestalt eilig vorbei.

Vielleicht war es so gewesen.

Sie versuchte ihre Gedanken zu ordnen. Sie klebten zusammen, wie der Inhalt einer feucht gewordenen Bonbonniere. Der Raum ließ durch seine Kargheit keine Möglichkeit des Ausweichens. Sie löste das Verklebte, assimilierte es und spann einen feinen Faden zu einem Kokon, in dem sich eine von ihr nicht geahnte Veränderung vorbereiten sollte.

Jetzt ging die Tür zur Intensivstation wieder auf.
„Wollen Sie zu ihrem Mann kommen?“
Sie nickte. Ergeben folgte sie dem freundlich bemühten Pfleger in eine Box, in der drei Betten durch Vorhänge – wie Engelsflügel – separiert wurden. Monitore piepten. Kabel über Kabel waren mit dem alten Herrn verbunden. Er atmete unregelmäßig. Seine Augen waren geschlossen. Ein junger Assistenzarzt schob ihr einen Stuhl neben das Bett. Dann raunte er ihr zu: „Es sieht nicht gut aus. Bleiben Sie erst einmal hier. Wir sprechen dann später.“

Die Sauerstoffsonde hatte das Blau aus Gesicht und Händen vertrieben. Reglos und beklommen saß sie neben dem Bett. Dann nahm sie vorsichtig die Hand des alten Mannes und hielt sie ganz sanft in der ihren. Ob er sie bemerken würde? Ihre langsam auf ihn übergehende Wärme?
Er rührte keinen Muskel. Ganz vorsichtig meißelte sie mit kaum wahrnehmbaren Wimpernschlägen ein Bild seines Gesichtes in ihr Gedächtnis. Es füllte langsam einen freigebliebenen Raum.

Viel später erhob sie sich.
Auf einem Visitenwagen sah sie eine Kurve liegen. ‚ Heinrich Rei…’ las sie im Vorbeigehen.
Der junge Arzt kam wieder auf sie zu.
„Wollen Sie bleiben? Oder sollen wir Sie anrufen?“
„Haben Sie die Nummer?“
„Ja, wir haben sie in den Papieren gefunden.“
„Rufen Sie mich an. Ich muss einen Moment nach Hause.“

Jeden Tag las sie die regionalen Tageszeitungen. Bis sie Gewissheit hatte. Der schwarze Rand legte sich wie ein Rahmen um sie.

Wie lange sie nicht mehr in der Kirche gewesen war! Doch den Geruch nahm sie sofort vertraut auf. Dieser kühle Geruch, in den ein Hauch Weihrauch und Lilie gemischt war. Und die Stille. Stille, die nur ausgewählte Laute zuließ. Redliche Worte und Töne. Wie ein Siebdruckkasten, in den Farbe gleichmäßig flächig gespachtelt wird. So oft man den Vorgang wiederholt, und gleich, mit welcher Stimmung die Rakel geführt wird, steht ‚Hosianna’ auf dem bedruckten Papier.

Sie war dunkel gekleidet. Wie alle anderen der spärlichen Trauergemeinde. Saß abseits, neben einer Säule. Fast verdeckt.
Ein etwa fünfunddreißigjähriger Priester versuchte ein Bild zu zeichnen. Sprach von Schlaf und Erwachen. Pastell auf Bütten. Die Worte gingen unter, verschwanden konturlos in der Harmonie, umspielten als vertraute Laute Nervenzellen, die zu allen Sinnen kurzgeschlossen waren. Weich flossen die Lieder in den Brunnenschacht vorbewussten Ursprungs. Die Orgel spielte gedämpft, als wollte sie sich verstecken. Doch in ihr gruppierten sich die schamvoll angeschlagenen Noten um zur 565 (BWV).

Der Trauerzug hatte sich schnell formiert. Der alte Herr schien allein gelebt zu haben. Ein paar gleichaltrige Herren gingen hinter dem Sarg, dann folgten mittelaltrige Frauen und Männer, die Kinder, oder Neffen und Nichten sein mochten. Sie ging als Letzte.

Der Himmel war herrlich klar. Die Luft schlug sanft an die Haut wie Blattgold auf eine Grundierung. Die Gruft war mit Tannengrün umlegt, schräg, als zöge sich eine Spirale langsam in die Tiefe. Ockergelb, stumpf und schwer nahm der leicht konkav, girlandenförmig abgestochene Lehmboden die tiefstehenden Sonnenstrahlen auf. Drei Holme lagen wie ein Dachstuhl über dem ausgegrabenen Haus. Leinenfarbene Seile ringelten sich quer über die Nachbarbeete.
Sechs ältere Herren mit Zylinder und schwarzen Anzügen trugen den schlichten Eichensarg heran und setzten ihn auf die Holme. Dann folgte die Aussegnung. Der Sarg wurde vorsichtig mit den Seilen herabgelassen. Fast schwebte er davon.

„Gedenke, oh Mensch, dass du vom Staub genommen bist und zum Staub zurückkehrst.“
‚Ja’, dachte sie, ‚das habe ich schon gemerkt.’
Nach und nach zogen alle Trauernden an dem offenen Grab vorbei, nahmen eine Schaufel voll Erde und ließen sie auf das Grab fallen.
Sie schloss die Augen. Ein dumpfes Geräusch ließ sie zusammenzucken. Am Schreibtisch sitzend war sie vollkommen in ihren Gedanken versunken gewesen. ‚Tuck’. Sie drehte ruckartig den Kopf herum zum Fenster. Ein Schneeball, oder besser gesagt: die Reste eines Schneeballs klebten mitten auf der Scheibe. Und hinter der entlaubten Buchenhecke, an der Straße stand Horst und wedelte wie verrückt mit den Armen.

Sie setzte sich langsam in Bewegung. Die übrigen Trauernden standen schon verklumpt, schüttelten sich diskret die Hände und tuschelten. Dann stand auch sie an dem kleinen Behälter mit Erde, in dem eine schlanke, kleine Schaufel steckte. Sie zögerte. Dann öffnete sie langsam die Handtasche und drehte sie um. Wie ein Taubenschwarm flatterten kleine Papierrechtecke in die Tiefe, es mochten Hunderte sein. Lagen auf dem Sargdeckel wie von einem Blumenmädchen bei einer Hochzeit verstreut. Kleine Papiere! Und wenn man genau hinsah, waren es Automatenfahrscheine der Bundesbahn.

Sie wartete nicht die Ratlosigkeit auf den Gesichtern ab. Erleichtert und müde ging sie den Hauptweg zum Friedhofstor zurück. Die Luft schien ihr noch klarer geworden.
Neben den schmiedeeisernen Toren waren hohe Taxushecken gepflanzt. Sie durchschritt die für den Trauerzug weit geöffneten Flügel und stand auf einem kleinen Platz. In der Mitte, in einem Rondell, stand ein großer Ginkgobaum. Sie musste lächeln. Wie ein Zepter stand er da. Diesseits des Friedhofs. Gelb waren seine Blätter, leuchtendgelb. Während fast alle anderen Bäume schon kahl waren, hielt der Ginkgo an ihnen fest, scheinbar unbeirrbar. Nur ein kleiner Teil war wie ein Blumenteppich auf dem Pflaster verstreut. Sie bückte sich, nahm eines auf und schob es unter ihren Pullover in die linke Brusttasche ihrer Bluse. ‚Ginkgo biloba’, murmelte sie.

Ihre Gesichtszüge ruhten. Dann fuhren sie schelmisch an. Sie steckte vorsichtig Daumen und Zeigefinger der linken Hand zu einem Kreis geschlossen in den leicht geöffneten Mund vor die zurückgebogene Zunge. Ein gellender Pfiff ließ ein Heer von Tauben verschreckt auffahren. Als führe eine riesige Hand durch die wirren Haare der Ginkgozweige.

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Datum: Montag, 28. September 2009 15:20
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3 Kommentare

  1. 1

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    mädchen pullover…

    Toll, dass es noch Leute gibt, die mit ihrer Schreibweise und aufschlussreich zu vermitteln vermoegen. Es gibt in der Masse nicht wirklich viele Seiten die Aufmerksamkeit verdienen. Scheint hier doch erfreulicherweise endlich mal anders zu sein. Danke …

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