Beiträge vom September, 2009

Tourettes sur Loup

Freitag, 11. September 2009 11:09

Endlos wirkende Kehren,
Berge hinauf und hinab.
Fülle wechselt mit Leeren.
Bläue, die alles gab,

fängt sich im Chor der Zikaden,
der selbst die Nächte durchdringt.
Landschaft mit Licht so beladen,
dass sie in Farben ertrinkt.

Feigen, Zitronen und Reben
drängen der Sonne sich auf.
Unermüdliches Leben
nimmt die Schwermut in Kauf,

die im Welken der Blüten
nach der Verschwendung erscheint.
Land der versunkenen Mythen,
Erde und Himmel vereint.

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Toscana

Freitag, 11. September 2009 11:08

Ein Bildband –
unser Drei- Wochen- Kanaan:
meerfarbig der Einband,
Platanenfolien, winddurchblättert,
Grasrispenkalligraphie.

Im Versmaß aufgebrochne Erde der Olivenhaine,
Absätze klatschmohnmarkiert.
Noch ohne Linienblatt: Zypressenzeilen.
Zitroneninterpunktion.

Gern
nähm ich eine Amselfeder,
„vecchia“,
schrieb
in den Wegrand
„zuhause“.

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„Tag, der den Sommer endet“

Freitag, 11. September 2009 11:06

Stockrosen frösteln, kalter Wind
lässt mich erschauern. Heiße Tage
im Handumdreh’n verschwunden sind.
Die überlange Hochdrucklage

ist fort. Wie jetzt der Vorhang fällt!
- aus Kühle, Regen, kargem Licht.
Noch eine kleine Weile hält
die Blütenpracht, die mich besticht

in ihrer flücht’gen Farbigkeit.
Schon huschen Hummeln überschnell,
in Blütenköpfen läuft die Zeit.
Der Abend ist nicht lang mehr hell.

Jetzt wird der Boden wieder kalt,
das Barfußlaufen hat ein Ende.
Die Äpfel fallen dumpf und bald
riecht es nach Fäulnis. Heiße Wände

auf denen Pfauenaugen dösten,
sind jetzt verlassen, blass und kahl.
Mit Sternenaugen Astern trösten.
Der Sommer blüht ein letztes Mal.

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Stilleben

Freitag, 11. September 2009 10:59

Strandrippeln.
Jemand
notierte
darauf
mit Herzmuscheln
die Melodie
rauschender Wellen.

Ein Flageolett
greift mein Atem
dazu
auf den Saiten
des Windes.

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Ronchamp

Freitag, 11. September 2009 10:58

Wie aus des Himmels Blau geschlagen,
gegossen für die Ewigkeit:
ein Bogen, selbst getragen tragend,
ein Mahnmal fern von Raum und Zeit

für Schönheit, und darin verborgen
für das, was alles überschreitet,
für gestern, heute nicht und morgen,
für das, was uns hinüberleitet

in eine Welt, selbst ohne Sprache,
fernab von Leid und Ungemach.
Ein Stückchen Heimat, eine Arche,
für alles, was zerbrechend brach

und oben treibt auf jener Welle,
von Zweifeln in der Tränenflut,
steht auf dem Berge die Kapelle.
In ihrem Raum wird alles gut.

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Nur für einen Moment

Freitag, 11. September 2009 10:57

Ein Scherenschnitt aus Mittagslicht
verzaubert die Garderobenwand.
Aus dieser Licht- und Schattensicht
hast du den Raum noch nicht gekannt.

Die Muster sind, wie schnell gezeichnet,
abstrakt und dennoch ganz konkret
und dir alleine zugeeignet,
der jetzt vor der Garderobe steht

und staunt. Ins Tägliche versonnen.
Doch da: das Sonnenlicht verschwand,
das Bild, das gerade erst begonnen,
verging, so wie es auch entstand.

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Mediterran

Freitag, 11. September 2009 10:56

Asphaltnattern, schwarze Linien
zwischen den Olivenhainen,
Feigenbäume, Licht und Pinien,
Tage, die wie endlos scheinen.

Unermüdlich die Zikaden,
Katzen ranken Mauern zu,
Wind mit Düften schwer beladen,
unter uns: Tourettes– sur- Loup.

Bläue wirkt schon ganz verblichen,
Hitze lässt fast alles ruh’n.
Zeit skizziert mit wen’gen Strichen,
es bleibt nichts für mich zu tun.

Nichts, als nur mich hinzugeben,
an die Farben, Brot und Wein.
Weiße Schmetterlinge schweben
in Lavendelfelder ein.

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Kalligraphie des Sommers

Freitag, 11. September 2009 10:55

Wind greift in den Tüll der Bäume,
g’rade zog der Tau ihn glatt.
Buchengruppenbild. Und Träume
tranken sich am Dunkel satt.

Dann vergeht der Wind zum Fächeln
tausendfacher Zweigehand.
Sonnenlicht wird wie ein Lächeln
auf den Horizont gespannt.

Hohes Gras am Fuß der Buchen
richtet seine Rispen auf.
Erste Schattenwürfe suchen
wie Mikado, schnell, im Lauf

des sich ständig dreh’nden Lichtes
sacht zu fallen, ohne Ziel.
Und schon wenig später bricht es
neue Schatten, neues Spiel.

Buchenstämme, Buchenäste,
scheinen stumm und unberührt,
haben eine breite, feste
Kapitale ausgeführt.

Alles ist ein feines Gleiten,
ebenso ein ruh’ges Steh’n.
Sonnenfarbenspiele streiten,
bis die Lichter untergeh’n

in ein tiefes Blau im Westen.
Bäume stehen unverwandt.
Eine Spur aus Lichterresten
führt erneut in dunkles Land.

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Idylle

Freitag, 11. September 2009 10:54

Die Stille heilt. Und dieses Licht
der winterklaren Nachmittage.
Und was aus Kinderkehlen bricht,
mal unentschieden, zaudernd, vage,

ob es ein Weinen oder Lachen werden soll,
das Blöken eines Schafs im Nachbargarten.
Am Baum der Meisenknödel sitzt ganz voll
von all den Gartenvogelarten,

die sich am Futterplatz verwöhnen
und auf das nächste Frühjahr warten.
Dann hin und wieder: Schnurren, Dröhnen,
Maschinen, die am Flugplatz starten

und großen, weißen Vögeln gleich
am blauen Horizont verschwinden.
Ich liege faul, ich liege weich,
kann mich verlier’n und wieder finden

an einem dieser Nachmittage.
Die Stille heilt. Und dieses Licht.
Ich brauche diese ruhigen Tage,
dann fürcht’ ich auch die and’ren nicht.

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Herbst

Freitag, 11. September 2009 10:53

Am Horizont die Wipfelwelle
läuft sanft am grauen Stadtrand aus.
Der Herbst gönnt ein paar klare, helle
Mittagsstunden. Und das Haus,

in dessen Nischen Schatten nisten,
wärmt sich noch einmal flüchtig auf.
Und wir, wir tun fast so als wüssten
wir nichts vom Jahreszeitenlauf,

und dösen in den Liegestühlen,
ergeben willig uns der Ruh.
Da wirft der Wind mit einer kühlen
und festen Hand die Türen zu.

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