Beiträge vom September, 2009

Der Ahorn brennt

Freitag, 11. September 2009 10:52

Der Ahorn brennt
und auch die Rhododendren.
Am Abendrot seilt sich
die kurze Nacht herab.

Ich kenne bald das Lied
der Amsel, jede Strophe,
nicht nur die letzte vor dem wehen Ruf,
nein, auch das Tändeln, die Elegie,

fast jeden Zwischenton, und auch
das Schweigen, das, ein mächt’ger Blasebalg,
das Augenfeuer treibt.
Ach, tritt zurück, die Funken fliegen.

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Aus Japan

Freitag, 11. September 2009 10:52

Ich schlafe am großen Wasser.
Morgens flutet der Tau
die Halligen der Seele.

Irisnetze, schwungvoll ausgeworfen
im Schatten der Augenblicke,
fischen von der Hand in den Mund.

Wenn sich die Pupille zuzieht,
zappelt dein Herz
wie das Zittern des Spiegelbilds

im großen Wasser.

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August

Freitag, 11. September 2009 10:51

August, dummer August!
Rote Backen haben die Äpfel
in deinem Gesicht.
Die letzte Wärme des Sommers scherzt.

Sonnenblumen lachen,
Hummeln summen mit,
wenn der Wind auf
den Zaundrähten ein Flageolett greift.

Bald kommt der Herbst
mit gedeckten Farben.
Die Tage straucheln,
fallen in die Arme früher Abende.

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Archäologische Grabungsstätte

Freitag, 11. September 2009 10:50

Umzäunt mit hohen Eisengittern
liegt das idyllische Terrain.
Die Luft ist frisch, wie nach Gewittern,
im Kopf Gedichte von Verlaine.

Wir schlendern durch das Gräberfeld
uralter Ahnen, ihre Tempel
sind streng. Es steht und fällt
das Abendland mit diesem Stempel.

Was wohl von uns einst bleibt,
wenn die Jahrtausende verstreichen?
Ob uns das Schicksal ganz zerreibt?
Ob wir an diese Ahnen reichen?

Mein Blick bleibt, als wir weiterfuhren,
noch lange jahrelang zurück.
Versonnen suche ich nach Spuren
von deinem und von meinem Glück.

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Am Rande des „de Manteling“

Freitag, 11. September 2009 10:49

Ausgekehlt, im Stamm gespalten
und die Äste weiß wie Knochen,
liegt der Rest von diesem alten
Baum, als sei ein Fluch gesprochen,

der im Augenblick verwarf,
was so lange widerstanden,
wenn die Stürme, wild und scharf,
immer wieder Opfer fanden

in der Eichen hohen Kronen.
Angepasst, geduckt und klein
stand er in geschützten Zonen.
Niemand wird vergessen sein.

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Wasserzeichen

Freitag, 11. September 2009 10:47

Du bist
ein Finger meiner Hand.
Ich spüre dich.
In diesem kargen Land,
am Lebensfluss,
der fließt so schnell,
so unverwandt,

hab ich sie frei,
die Hand,
an der du,
wie gesagt,
ein Finger bist
und mit mir Wasserzeichen liest.

Ein Finger mehr,
das zu begreifen und
zu halten,
was mir sonst
zerrinnt wie Sand.

Meiner Gefühle
Überstand,
mein Überstehen
braucht
Zeit, Raum und
Hand,
an der du,
wie gesagt,
ein Finger bist.

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Vertraut

Freitag, 11. September 2009 10:46

Augenwinkelpromenade,
brau’nverschattet,
Samtspur
zwischendrin.

Und unsren Worten
jagt mit Emsigkeit
Gemeintes nach -
Hase und Igel.

Weiß es schon!
Ach, sage nichts!

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Sonett zum Neununddreißigsten

Freitag, 11. September 2009 10:45

Sommersonnenwende!
Was für ein Meer
von Farben, Düften und von Licht
in all den langen Tagen!

Wer hätte eine Ahnung, fände
in all dem Wachsen ringsumher,
in dem die Kraft aus allen Zweigen bricht,
die Lust, den Blick nach ‚vorn’ zu wagen?

Die Tage werden unaufhaltsam Licht verlieren,
die Früchte werden reif und schön,
doch wird nicht eine jetzt noch angesetzt.

Und ganz allmählich kann man spüren,
wie der Elan, die Kräfte geh’n.
Der Amselruf wird bang, gehetzt.

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Oostkapelle, Pommesbude

Freitag, 11. September 2009 10:44

Ich kenne ihn schon viele Jahre.
Wenn jemand leise lächeln kann,
dann ist es er. Und ich verwahre
mir eine Spur, so gut ich kann.

Ich trag sie irgendwo in mir.
Wenn ich mal ganz verärgert bin,
dann suche ich sie und verlier
den Groll und nehm mich leichter hin.

Gesprochen haben wir fast nicht.
Ich schaue auf die ruhigen Hände
und immer wieder ins Gesicht.
Ich glaub nicht, dass ich Worte fände,

die diese Ruhe noch ergänzten.
So halt ich nur den Augenblick
ganz fest. Und unsre Augen glänzten.
Minutenlang gewährtes Glück.

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Freundschaft

Freitag, 11. September 2009 10:44

Eisblumen blühen an den Scheiben
so filigran wie nie.
Mein Atem friert – die Blumen bleiben.
Die Wärme, die ich einst verlieh,

sie kam mir irgendwie abhanden.
Und danach noch einmal zu fragen,
fehlt mir der Mut. Wir standen
zusammen, fanden nur zu sagen,

dass es doch sicher morgen fröre.
Das war an sich schon viel.
„Es geht dir bestens, wie ich höre.“

„Und selber auch? Ach, das ist gut.“
Das ist ein schönes, altes Spiel.
Und nach den Scheiben friert das Blut.

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