Sad Lisa
Man kann nicht ernsthaft sagen, dass du ganz einfach bist.
Du hast auch viel zu tragen und das in kurzer Frist.
Ich kam ganz achtsam wartend ein Stück an dich heran,
mit vorsichtigen Worten, bis ich Vertrau’n gewann.
Dein Kommen wurd allmählich schon fast Institution.
Ich war nie Herr der Lage, doch freute ich mich schon
auf den Begegnungsritus, der wie ein Machtkampf schien.
Ach, deine Sprödigkeiten, die hab ich längst verzieh’n.
Wenn du mich heute fragst, wie lange es noch geht,
dann muss ich heftig schlucken, wissend: es ist spät.
Und jedes kleine Schweigen stiehlt Souveränität.
Ich spüre, wie das Wasser mir bis an die Stimme steht.
Die Zeit, sie ist verflossen, schien es auch oft, sie ruht.
Man möcht sie besser nutzen. Und manchmal ist’s auch gut.
Es gibt auch keine Waage, die Tage richtig wiegt.
Viel bleibt am Ende vage. Und ob man richtig liegt,
wird man oft erst erfahren, wenn schon der Abschied naht.
Dann bleibt nur noch die Hoffnung der ausgeworf’nen Saat.
Bald ziehen stille Bilder ein letztes Mal herauf.
Das Schicksal bleibt gelassen, nimmt wortlos seinen Lauf.
Wenn du mich heute fragst, was dir an Zeit noch bleibt,
dann mein ich zu verstehen, was diese Frage treibt.
Allein, was soll ich sagen? Die Antwort fällt so schwer.
Vielleicht hülf dir Gewissheit. Und wo nehm ich die jetzt her?
So bleib ich bei dir sitzen und nehme deine Hand.
Die Dämmerung malt Schattenbilder heimlich an die Wand.
Du bist längst wieder tapfer, lässt dich nur ungern geh’n.
Nur auf den Lidrandklippen seh ich die Tränen steh’n.
Sie glänzen, bis dein Schlucken sie in die Tiefe zwingt,
dort fluten sie die Räume, in die dein Fragen dringt.
Noch wird ein Morgen kommen, auch Übermorgen noch,
erinnerst dich, wie alles nach Ewigkeiten roch.
Wenn du die Frage wagst, die immer stärker quält,
dann scheint mir meine Antwort als käm sie aus and’rer Welt.
Lass uns behutsam gehen, ganz langsam, Schritt für Schritt,
dann kommen auch die Worte mit den Gefühlen mit.