Der Tag kommt

Der Tag kommt, dass wir Abschied nehmen,
noch scheint er heute ziemlich weit.
Noch ahnen wir ihn nur in Schemen,
doch irgendwann kommt sie, die Zeit.
Wünsch ich mir dann, zuerst zu gehen,
begleitet von vertrauter Hand?
Ich weiß es nicht, wir werden sehen,
das „Wann“ und „Wo“ bleibt unbekannt.
Doch einmal werden wir uns halten
und wissen um das letzte Mal.
So seltsam: alles scheint beim Alten
und doch kommt dann der freie Fall.

Schrieb ich, was wir uns je erzählten
zu einem Buch, es wäre dick.
Ach, all die Nöte, die uns quälten
enthielte es und jedes Glück.
Doch wozu sollt ich niederschreiben,
was nur uns beide interessiert?
Was zählt, wird uns Geheimnis bleiben.
Wer weiß, ob alles sich verliert.
Wir schritten aus, als wär’n die Schritte
der Takt zu einem Wanderlied.
Was wird, wenn aus vertrauter Mitte
das Schicksal einen mit sich zieht?

Ich seh mich bleiben, seh mich schwinden
und wüsste nicht, was besser wär.
So oder so wird es sich finden,
so oder so bleibt etwas leer
und klar, wie mancher Wintermorgen,
wenn selbst der Rotz zu Eis gefriert.
Man wird sich Wärme auswärts borgen,
bis dass es einmal Frühling wird.
Grad sah ich Wolken dunkel fliegen,
jetzt ist der Himmel klar und weit,
straft all die Ängste offen Lügen.
Doch weiß ich wohl: es kommt die Zeit.

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Datum: Montag, 26. Oktober 2009 12:17
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2 Kommentare

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