Küchenliedchen

Sellerie, zwei Sorten, und Tomaten,
Estragon, ganz fein gehackt, dazu.
Das Rezept des Dressings sei verraten,
hör nur einen Augenblick mir zu.
Dijon- Senf, Olivenöl und Essig
aus Modena, fein vermengt,
und zu warmem Brot auf den Tisch getragen,
haben wir in gutem Cotes du Rhone ertränkt.

Wie oft haben wir zwei so gesessen,
wenn der Abend wie aus Federn schien,
haben gern und andachtsvoll gegessen,
sahen durch das Fenster blaue Wolken ziehen.
Endlos scheinbar flossen Wein und Worte,
ein Espresso hielt uns beide wach.
Such ich nach schönsten, mir bekannten Orte,
denk ich über deine, kleine Küche nach.

Morgens roch die ganze Welt nach Kaffee,
nach Baguette und einem Frühstücksei.
Essen mocht ich dann, soviel ich schaffe,
ohne Ziel und Ende plauderten wir zwei.
Irgendwann musst ich dann wieder fahren,
jeder lebt in seiner eignen Welt.
Doch egal, wie all die vielen Jahre waren,
weiß ich, nur das ruhige Miteinander zählt.

Meistens stehen wir an andren Tischen,
machen unsre Arbeit Tag für Tag.
Manchmal kann ich mich dabei erwischen,
wenn ich in Gedanken nach dem Messer frag,
dass ich denk, wir stünden hier zusammen,
und wir arbeiteten dies und das,
brauchten Sätze, die aus alten Zeiten stammen.
Und wir hätten immer, auch im Ernst noch Spaß.

Unbemerkt verfließen unsre Jahre,
wär es nicht so, wär es auch nicht gut.
Manche Feuer brannten aus, doch ich bewahre
Bilder wie Kartoffeln in verborgner Glut.
Find ich mich in irgendeinem Garten,
und das Schicksal hält mich grad auf Trab,
such ich mir die Kräuter, die wir gerne hatten,
und pflück mir ein Blättchen zwischendurch mal ab.

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Datum: Montag, 26. Oktober 2009 12:16
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