An der Schwelle

Du hältst den Bogen in der Hand,
dein Köcher ist längst leer.
Dein Bogen ruht, du bist gespannt –
wo geht der Weg jetzt her?
Der Wind treibt Blätter himmelhoch,
vom alten Überschwang
blieb wenig Kraft. Du spürst sie noch.
Der Tag ist nicht mehr lang.

Der Jäger steckt dir tief im Blut,
was könnt’st du and’res sein?
Du schultest deinen Blick und Mut
und oft stand’st du allein.
Jetzt stehst du scheinbar wehrlos da,
vor dir die große Nacht.
Was bleibt aus deinem Repertoire,
was bleibt dir noch an Macht?

Ein großes Schweigen hüllt dich ein,
unbeugsam ist dein Blick.
Du weißt, du musst jetzt tapfer sein,
es gibt jetzt kein Zurück.
Ein Köcher wird nie leer, es bleibt
das Wort, das sicher trifft.
Wenn alles sich dem Tod verschreibt,
ist es das Gegengift.

So sprichst du jetzt das Dunkel an,
gehst langsam auf es zu.
Standst lange in des Lebens Bann,
jetzt suchst du deine Ruh.
Vergehst, doch du verlierst dich nicht,
musst du auch von hier fort.
Und dann siehst du ein großes Licht
an einem ander’n Ort.

Tags »

Autor:
Datum: Mittwoch, 19. Mai 2010 9:05
Trackback: Trackback-URL Themengebiet: Liedertexte

Feed zum Beitrag: RSS 2.0 Diesen Artikel kommentieren

Kommentar abgeben

Login erforderlich