Saturday night

(für Henriette und Friederike)

Heute gehst du ganz groß raus,
du spielst die coole Supermaus.
Mir stockt der Atem, wenn ich
deinen Absatz seh.
Hoffentlich, denk ich, knickst du
nicht um in diesem Mörderschuh.
Mir tun bei deinem Anblick schon
die Füße weh.
Doch du sagst, die Skepsis sei daneben,
auf so ’ner Feier muss man eben
für seine Schönheit Kompromisse machen.
Und schön ist, was halt jeder tut.

Die Haare wild, die Stirne kraus,
der Spiegel sagt, du siehst gut aus.
Ein letztes Mal greifst du
zum Lippenstift.
Du ziehst noch mal Konturen nach,
der Lidstrich scheint dir auch noch schwach.
Ich seh aus Augenwinkeln zu,
du bist gewieft.
Alles zeugt schon von Routine,
mit siebzehn stehst du voll auf deiner Bühne.
Spielst wie’ s vor und nach dir alle machen,
und du kannst die Rolle gut.

Es schellt, du öffnest und im Nu
steht da ein Vamp, genau wie du,
nur blond wie eine Barbie,
und ihr lacht euch an.
Ich störe nicht das Teenyglück
und frag nicht „wann kommst du zurück“.
Ich weiß, du kommst schon irgendwie
und irgendwann.
Bei allem Feiern kennst du deine Grenzen,
auch wenn die Augen lebenshungrig glänzen.
Zum Glück kannst du auch gar nicht viel vertragen
und passt gut auf dich selber auf.

Ich weiß nicht mehr, was machte ich
mit siebzehn, ich erinnre mich
nur schwach an diese Zeit,
lang ist es her.
Ich liebte die Philosophie,
doch lieber hatt ich noch Marie,
die Flower-power war nicht weit.
Zur Bundeswehr
konnte ich mich damals nicht entschließen,
wollte nie auf irgendjemand schießen.
Wollte meine eignen Wege wagen
und nahm zuhaus den Streit inkauf.

Die Themen waren anders doch
das Privileg bleibt immer noch,
dass jung man Dinge anders sieht
und Andres hofft.
Das Alte scheint längst zugestaubt
und attraktiv, was nicht erlaubt.
Und dass man sich verstanden fühlt,
das gibt’s nicht oft.
Welten ändern sich und unsre Träume
suchen sich stets neue Räume.
Wer weiß, was erst unsre Enkel wollen,
warten wir’s gelassen ab.

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Datum: Dienstag, 8. Februar 2011 10:45
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