Auf dem Kalvarienberg in Pollenca

Karfreitagabend

Die Menschen steh’n gedrängt,
das Abendlicht weicht bald der Nacht.
Gemurmel, Lachen, Kinderstimmen,
man hat die Arme ruhig verschränkt.
Bald sind die Fackeln angemacht,
vereinzelt Zigaretten glimmen.

Dann schlägt es neun und jeder harrt
dem Zug, der langsam niederwallt.
Die Trommeln schlagen monoton.
Der tote Gott liegt aufgebahrt
als Zeugnis uralter Gewalt.
Man schweigt in fester Tradition,

derweil unendlich lange Reihen
Vermummter stumm zu Tale schreiten,
die Fackeln demütig gesenkt,
die diesem Zug ein Grau’n verleihen.
Man schaudert, denkt an all die Zeiten,
durch den der Menschenstrom sich zwängt

und weiter quälen wird und dann bereuen
und immer sucht nach dem verborgnen Sinn
und zweifelt und verzweifelt geht.
Wir, die uns augenblicks erfreuen,
zieh’n langsam mit dem Zug dahin,
von kühlem Abendwind umweht.

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Datum: Dienstag, 17. Mai 2011 8:31
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