Beitrags-Archiv für die Kategory 'Abendschatten'

Warte nur, balde …

Donnerstag, 10. September 2009 9:30

Nein, das vergesse ich wohl nicht:
ich rieche ihn noch ganz genau,
den Atem jener jungen Frau,
so wie er aus dem Munde kriecht:

so endlos traurig und ergeben.
Es ist auch viel, wenn du verlangst,
dann Ruhe zu bewahren, Angst,
ja, nackte Angst um dieses Leben,

das sie doch gestern noch verdross,
die wuchs empor zu größter Not.
Verloren, was ihr Zuflucht bot.
Und alles, was so träge floss,

stürzt wie ein Wasserfall
und reißt das bisschen Leben fort.
Sie ahnt Verlust von Zeit und Ort.
Das Grauen ist schon überall.

Vergeblich fällt sie noch ein Lot
ins Unberechenbare und
schon quillt der Atem aus dem Mund
als Bote: balde naht der Tod.

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Unvergesslich

Donnerstag, 10. September 2009 9:29

Der Schrecken steht ihr im Gesicht.
Sie sieht die Linien ihrer Hand
von Todesängsten nass. Sie spricht
kein Wort und zittert unverwandt.

Sie ahnte es und wollt es nicht,
wollt nicht ihr Schicksal selbst beschwören.
Jetzt fühlt sie sich wie vor Gericht.
Sie möcht den Richter wohl betören,

möcht handeln, fordern, zornig sein,
möcht tausend Dinge laut beklagen.
Jetzt sitzt sie da, fühlt sich allein
und nicht ein Wort kann sie noch sagen.

Sie war bisher Protagonist
im Lebensfilm. Sie spielte gern.
Auf einmal ist sie nur Statist.
Die Handlung sieht sie wie von fern.

Sie wünscht, er wäre ausradiert,
der Tag und diese Nachricht jetzt.
Ihr ist im Innern kalt. Sie friert,
sieht aus wie gestern, doch verletzt

ist alles, was sie aufrecht hält.
Sie spürt den Riss, der weiter reißt.
Und alles um sie fällt und fällt
in tiefe Namenlosigkeit. Es beißt

jedweder Trost sie fast wie Spott.
Nur nicht alleine sein will sie.
Sie hadert mit der Welt und Gott.
Nein, diesen Tag vergisst sie nie.

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Stiller denn je

Donnerstag, 10. September 2009 9:28

der See, kein tropfendes Ruderblatt.
Metaphern ankern in Gehirnen,
dornröschenhaft des Lichtens satt.
Und weder Rosen, noch Birnen

noch Frost, noch klirrende Fahnen.
Es bleibt für das tiefe Weh
nicht mal ein vages Ahnen.
Stiller denn je der See.

Wort und Gedanke schweben dahin,
fern jeder Dimension,
in die unendliche Leere.

Leiden: Verlust der Schwere,
drängt wie ein Lied ohne Ton.
Unbenennbarer Sinn.

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Rire au nez de la vie

Donnerstag, 10. September 2009 9:27

Der Klatschmohn schwingt dir sein Zinnober
mit letzter Abendkraft in die Gedanken –
ach, wie die Zeit vergeht!
Kurz, viel zu kurz der Klang der Gläser,

schon zählt der Wirt das Geld, der müde Ober
sieht unsren letzten Schluck, wir tranken
auf das, was jetzt noch vor uns steht.
Komm, gehen wir durch hohe Gräser,

durch Pfirsich- und Olivenhaine,
ich will noch lang nicht müde sein.
Lass uns, ich bitt dich, noch nicht schweigen,

und dass ich wieder lachend weine,
das musst du plaudernd mir verzeih’n.
Schon stimmen Grillen ihre Geigen.

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Im Krankenzimmer

Donnerstag, 10. September 2009 9:26

Durchs Fenster fällt das Licht
wie eine Sonnenuhr.
Ich lausche. Kein Tag, dass ich nicht
die Schritte hörte auf dem Flur

und dann die Klinke wieder sinken sah.
Da stehst du, voll bepackt mit Tüten,
zeigst mir in Kleinigkeiten: du bist nah.
In deinem Arm die ersten Pfirsichblüten.

Du brauchst nicht reden.
Nach so vielen Jahren
sagt mir die Art, wie deine Hand die Vase greift,

du warst für mich im Garten Eden.
In Korb und Plastiktüten waren
all jene Schätze, die in uns gereift.

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Du schaust so ernst

Donnerstag, 10. September 2009 9:25

Du schaust so ernst
auf diesen Bildern,
als hättest du es schon gewusst,
dass du dich bald, ganz bald entfernst.
Kein Sommer kann die Ahnung mildern.

So wie so oft spürst du, du musst
den Weg, der vor dir liegt begehen.
Du warst bisher noch nie verzagt,
du hast das Leben ausgefragt.
Doch kannst du es auch jetzt verstehen?

– wie es so leichthin mit dir spielt,
als wärst du eine Feder, die
vom Wind getragen taumelt und
ins Ungewisse fällt. Dein Mund
verzerrt sich in Melancholie.

Ach, wüsstest du, wohin das zielt,
das Dunkel dehnt sich endlos weit.
Die Stille hält den Atem an,
es ist jetzt nah, das ‚irgendwann’.
Was nur, was kommt nach dieser Zeit?

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Am Ufer

Donnerstag, 10. September 2009 9:24

Ach, deine Hand
lass mir als Kissen,
dann darfst du
von mir lassen!

Was rede ich –
hier wirst du bleiben müssen,
hängst ja an deiner Hand …
Wie ich sie brauche!

Du starrst.
Ich starre auch.
Und alles, was
ich einmal war,

ist wie ein Film
geschnitten,
läuft jetzt ab.

Und immer schneller,
schemenhaft,
bis er verschwimmt.

Im Nachspann
legt das Boot
jetzt ab.
Lass deine Hand jetzt fahren.

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Am offenen Fenster

Donnerstag, 10. September 2009 9:23

Die Luft, die durch das Fenster streicht,
ist kühl und selbstverständlich wie die Hand
der Mutter, die nicht von mir weicht
im lang verschollnen Kinderland.

Ich schließ die Augen, stell mir vor,
ich wäre noch einmal ganz klein,
als ich den Schutzengel beschwor,
er möchte immer bei mir sein.

Und als ich groß war, ging ich gerne
des Nachts auf’s dunkle, weite Feld
und stellte mich unter die Sterne,
fühlt mich gehalten auf der Welt.

Die Jahre gingen rasch dahin.
Ob auch ein Engel altern kann?
Er kam mir oftmals aus dem Sinn
und auch zurück, so dann und wann.

Jetzt denk ich manchmal, er ist nah,
doch wär mir Mutter lieber jetzt.
Und ungescheh’n, was mir geschah.
Ich fühle mich so tief verletzt.

Wie kann man so bedürftig sein!
Umringt, gepflegt, umsorgt und doch
im tiefsten Inneren allein.
Ach, käme einmal Mutter noch.

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Abendschatten

Donnerstag, 10. September 2009 9:13

Ich sehe sie. Sie atmet schwer.
Sie ist gewohnt, ganz stark zu sein.
Ihr Blick ist fragend, sagend, leer.
Sie sitzt bei mir und ist allein

gekommen, um es nicht zu bleiben.
Sie ahnt fast alles, doch sie schweigt
und lässt sich schweren Herzens treiben.
Sie hält sich gerade, doch dann neigt

sie müde ihren Kopf zur Seite,
wo eine übermüde Hand ihn fängt.
Ich sage nichts. Bin wach und breite
ein großes Warten aus. Es drängt

mich nichts zu einem Rat. Ich wüsste
beim Sprechen schon, dass er verhallt.
Es gibt nichts mehr, was sie noch müsste.
Wir wissen beide: bald, ganz bald

wird alles um sie wie verschwimmen.
Ein neues großes Bild taucht auf.
Dann wird nichts mehr und alles stimmen.
Den Tränen bleibt jetzt freier Lauf.

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