Beitrags-Archiv für die Kategory 'Ein Spiel'

Wunsch

Freitag, 11. September 2009 9:50

Ich möchte eine Säule sein,
vielleicht ein Kapitell,
in einem Dom, vom Stil ganz rein,
erhaben, still und hell.

Unscheinbar trüg ich meine Last
und spräche nicht ein Wort.
Ganz unverrückbar eingepasst
stünd ich an meinem Ort,

fast so, als gäb es keine Zeit,
Geschlechter gingen hin,
mit Hoffnung, Streben, Tod und Leid.
Ich bliebe, wo ich bin.

Fiel nicht ins Auge und wär doch
zum Himmel hoch gebaut.
Auf meinen Schultern liegt das Joch,
das man mir anvertraut.

Das große Ganze ist so groß,
ich kann es nicht mal sehen,
doch fehlte auch ein Kleines bloß,
das Werk könnt nicht bestehen.

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Kirmes

Freitag, 11. September 2009 9:49

Schau, unser weites, leeres Feld ist heute
ein Meer von Farben, Lauten, bunten Lampen,
Bewegung in berechnet großen Kreisen –
es ist jetzt Jahrmarkt! Sieh das schreiende Plakat!

Und wie die Tiere drängen sich die Leute
ins Licht, in die Bewegung, an die Rampen.
Man wiegt sich rhythmisch zu grell- glatten Weisen,
die man kaum hörend schon begriffen hat.

Die Kinder steh’n am Rande der Karrees,
der Schein der Flackerlichter liegt auf den Pupillen,
und starren in das ungewohnte Treiben,
in ihrer Hand vielleicht umschwitzt fünf Mark.

Die woll’n berechnet sein für Wolken Zuckerschnees,
für Flaschen mit verschied’nen Liebespillen,
für Karussells auf buntspiral’gen Scheiben
und „Hau den Lukas – zeig dich stark!“

Zu schnell ist auch der letzte Groschen ausgehändigt,
es gibt nichts mehr, als Zaungast sein.
Nur eine Weile treibt man noch in Lichterfluten
und geht dann aus der Kreise Mitte heim.

Noch lange jagt Musik dich ungebändigt,
doch später Stunde Kühle bricht herein.
Ein Feuerwerk lässt einen Himmel spritzend bluten,
und wieder gräbst du in dir nach dem Reim.

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Intensiv

Freitag, 11. September 2009 9:48

Der Atem rasselt, hemiplegisch
verzerrt gewohnte Symmetrie.
Signale jammern fast elegisch
und Ruhe findest du hier nie.

Von Zeit zu Zeit ein hartes Blättern
in Akten, mal ein Fiebermessen.
Ringsum ein Heer von tausend Rettern,
die überm Retten schnell vergessen,

wofür sie sich so schrecklich eilen.
Der Auftrag steht, die Diagnose.
Der Monitor schreibt sauber Zeilen.
Es wäre eine einz’ge Rose

ein Sakrileg in diesem Raum,
ein Lied fast schon Kakophonie.
Man rettet sich in einen Traum,
in dessen Armen man verzieh,

was man entbehrt und gerne hätte:
ein Augentrösten, ein ‚wozu’,
nicht: die moderne Schädelstätte.
Hier ist sie fern, die letzte Ruh.

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Ich wünsch mir keinen Jaguar

Freitag, 11. September 2009 9:47

Ich wünsch mir keinen Jaguar
und keine Fahrt zum Mond,
ich brauche keine Cocktailbar
und keinen, der mich schont.

Ich war noch niemals in Hawaii
und brauch dort auch nicht hin.
Ich war bei vielem nicht dabei
und halt das für Gewinn.

Ich trage kein Designparfüm
Und kleide mich normal.
Ich will kein Joghurttrinkenzym
und Titel find ich schal.

Nur eines tut mir immer gut,
ein echtes, „gutes“ Wort,
gesagt mit Herz und auch mit Mut,
ganz gleich an welchem Ort.

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Hund

Freitag, 11. September 2009 9:46

Wie aus der Pistole geschossen
saust sie morgens heraus,
meine Sprache,
kaum, dass ich den Mund
aufgemacht habe,

fällt kläffend die Nachbarn an,
springt am Zeitungsboten hoch
und trägt vermeintliche Neuigkeiten
schwanzwedelnd im Maul,
darauf wartend,
dass ich sie streichle:

„Braver Hund!“

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Gräber

Freitag, 11. September 2009 9:46

Gräber, wie sanfte Hügel,
Stelen grüßen Apoll.
Lange schon schleifen die Zügel,
Herzen sind übervoll

quellender Lieder. Sibyllen
lächeln am Rande der Zeit.
Träume und Wolken verhüllen
Bläue und Ewigkeit.

All das Feste und Wahre
stellt sich zur Disposition.
Was ich am Ende bewahre,
ist es nur Illusion?

Ist es vielleicht eine Schneise
in eine andere Welt?
Ach, so seien wir leise,
jede Stunde, sie zählt.

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Gebrauchsanweisung für jeden Tag

Freitag, 11. September 2009 9:45

Auf’s Neue stets beginnen,
den Tag wie einen Apfel reiben,
an deiner Hose, bis er glänzt
und kräftig in ihn beißen.

Denk nicht an den Verlust! Gewinnen
kann man im Weitergehen nur, nicht Bleiben.
Und selbst wenn du vor lauter Scherben ständst,
versuch dich davon loszureißen.

Die ew’ge Ruhe kommt noch früh genug.
Dein ist der Tag, du musst ihn greifen.
Im Zaudern lauern Lug und Trug.

Du musst ihn suchen, deinen Kern,
und musst im Suchen langsam reifen.
Nur leben sollst du. Lebe gern!

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Ein Spiel

Freitag, 11. September 2009 9:44

Ein Spiel, das alle verbindet:
das Klagen. Auf hohem Niveau
die einen. Wenn sonst sich nichts findet.
Und die anderen sowieso.

So richtig ernst genommen
wird es meist nicht.
Die Klagen kommen
halt, wenn man so spricht.

Und das nicht preisgeben will,
worüber man gerne spräche.
Schnell wäre alles ganz still.
Und die Fassade zerbräche.

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Das Dichten, weißt du, tut mir gut

Freitag, 11. September 2009 9:43

Du denkst, ich denke und ich richte.
Ach, nichts von alledem:
ich denke nicht, ich dichte,
ich mach es mir in mir bequem.

Ich schau ins Seelenland und sichte
die Gräben und die Gräberfelder,
schau in die Dickichte und lichte
die Unterhölzer und die Wälder.

„Die Seele ist ein weites Land.“
Das sagte ein mir lieber Dichter.
Ich bin mir nur zum Teil bekannt,
entdecke immer noch Gesichter,

die mir im Ausdruck fremd. Ich bleibe
nach all den Jahren auf der Hut.
Das Richten halt ich mir vom Leibe,
das Dichten, weißt du, tut mir gut.

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Abendgebet

Freitag, 11. September 2009 9:42

Oh, Herr, lass es bald Abend sein,
ich hab den Tag verflucht, den meinen,
erlöse mich von dieser Pein,
lass Mondlicht in mein Zimmer scheinen.

Ich lösch die Kerze und erwarte
die Träume, beide Arme weit.
Der Tag, er log, und wieder narrte
das Gaukelspiel der ‚Wirklichkeit’.

Nein, nirgends geht es wahrhaft zu
als in der Phantasie Gesänge.
Der Schattenwälder tiefe Ruh
befreit von aller Tagesenge

und schenkt mir Flügel, federleicht.
Auf denen gleite ich zu dir.
Und hab ich dich auch nie erreicht,
so bin ich fort vom ‚jetzt’ und ‚hier’.

Mein Herz verlässt das leere Treiben,
verliert sich in der Farben Rausch.
Ach, könnt ich in den Nächten bleiben –
ich böte jeden Tag zum Tausch.

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