Beitrags-Archiv für die Kategory 'Kommen und Gehen'

Sowieso

Freitag, 11. September 2009 10:31

Ich bin nicht schrecklich originell,
bin Durchschnitt – so was kennst du schon.
Ich esse und ich laufe schnell.
Zumeist treff ich den rechten Ton

im Umgang mit „Hochwohlgebor’n“.
Mich selbst halt ich von Ehren fern.
Ich fühl mich grässlich und verlor’n
beim Schütteln wicht’ger Hände. Gern

mach ich mir meine dreckig und
bin abends müde und zufrieden.
Bin Mischling und kein Rassehund.
Mir war’s und ist’s halt nicht beschieden,

in irgendwas ganz groß zu sein.
Ich bin nur ich – und damit froh.
Reicht das nun aus? Macht mich das klein?
Egal, du magst mich sowieso.

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Schatten in jedem Beginnen

Freitag, 11. September 2009 10:30

Schatten in jedem Beginnen
lastet auf Schritt und Tritt,
lauert, es gibt kein Entrinnen,
überall kommt er mit.

Wenn er doch kleiner bliebe!
Schnell wird er lang und breit.
Wind knickt die Rosentriebe,
Abend ist nicht mehr weit.

Bald wird er beide vereinen,
Schatten und letztes Licht,
bis sie wie eines scheinen,
wenn der Einzelne bricht.

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Nichts bleibe übrig

Freitag, 11. September 2009 10:29

Nichts bleibe übrig, denn die Asche,
vom Feuer, das ganz sacht verglimmt,
vom Wind zerstreut, der eine rasche
Handvoll aus der Hitze nimmt.

Und morgen schon sei es vergessen,
was Kummer und was Trost verhieß.
Ein Name bleibt allein, auf dessen
Kraft man sich so fest verließ.

Nichts warte, als ein leises Ahnen,
ein Hoffen, wie von ganz weit her.
ein Ziel für all die wirren Bahnen,
ach, zu erkennen fiel so schwer.

Dann fällt die Nacht mit aller Tiefe
ins Federwolkenbett der Zeit.
Es schien mir so, als ob sie riefe,
so halt ich mich für sie bereit.

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Kommen und Gehen

Freitag, 11. September 2009 10:26

Schienenwirrwarr, blinde Scheiben
an verlor’nen Lagerhallen,
alte Wagen, Reih’ in Reihe.
Tauben lassen Streifen fallen,
die das Mauerschwarz erhellen,
Schwellen glänzen regennass.

Langsam wurmt der Zug von dannen,
Schrebergärten säumen jetzt
die Verlorenheit mit Beeten,
Dahlien und Anemonen.
Wer kann nur die Häuserzeilen,
endlos, längs der Bahn bewohnen?

Immer gleiche Bilder bleiben
mir von jedem Bahnhof, bannen
Träume in Abteilparzellen:
Ankunft – Abschied, schön und dunkel,
schienen einst mir höh’re Weihe.
Mit der Zeit wird alles blass.

Kommen – Gehen, ungebeten
bin ich Gast, darf nur verweilen,
Schönheit zählt zu guter Letzt
herzlich wenig. Nacktes Leben
säumt halbseidenes Gemunkel
und den Trost vom ew’gen Streben.

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Hommage an Gryphius

Freitag, 11. September 2009 10:24

Ach, dieses Menschenleben:
ein Päckchen Photos, die vergilben,
ein Name, gern genannt noch eben
und bald nur eine Hand voll Silben,

die nachgebor’nen Ohren klingen
als wundersam, doch Unbekanntes.
So vieles ließ sich doch nicht zwingen,
verhieß Erfüllung und Verwandtes

und ging verloren, greifbar nah.
Bemühen um Bemühen streifte
den Augenblick, der nie geschah,
bis innerlich die Einsicht reifte,

dass Zufall in der kurzen Frist,
die eines Menschen Jahre fassen,
so oft der letzte Richter ist.
Am Ende musst du alles lassen.

Nur eines liegt in deiner Hand:
die Möglichkeit des Selbst zu lesen.
Hast du dies irgendwann erkannt,
ist alles für dich gut gewesen.

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Heimat

Freitag, 11. September 2009 10:23

Heimat, Ort der Mythen,
Land, das Stille hält,
niemals welkende Blüten,
Ort, wo alles zählt,

das von ferne gesehen
kaum der Beachtung wert.
Alles siehst du vergehen,
hier bleibt es unversehrt.

Bist du von allen verlassen,
findest du hier deine Ruh.
Straßen, Wege und Gassen
hören den Schritten zu.

Doch wo finde ich diesen
Quell, wo man Kräfte gewinnt?
Überall bin ich verwiesen
und mein Erinnern zerrinnt.

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Für Volker zum 48. Geburtstag

Freitag, 11. September 2009 10:22

Taumelnd wie nächtliche Falter,
müde ins Dämmern verwebt,
langsam sich näherndes Alter,
Wind, der sich langsam erhebt

und ein Frösteln, Erschauern
über die Glieder jagt.
Kampf um Vergehen und Dauern,
alles scheint schon gewagt.

Alles versucht und verworfen,
Herzblut, das zerrann.
Opfer der amorphen
Sehnsucht, die uns gewann,

um uns gekonnt zu verführen
und zu verlassen. Allein
und mit Verwunderung spüren
wir das verschwindende Sein.

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Für einen Freund

Freitag, 11. September 2009 10:20

Weil du das Schwere selber kennst,
brauch ich es nicht beim Namen nennen,
du in dem gleichen Feuer brennst,
kann uns das Schicksal gar nicht trennen,

das uns mal hier, mal dorthin stellt,
so wie man Puppen setzt im Spiel.
Man fragt nicht, ob es uns gefällt.
Und keiner von uns kennt das Ziel.

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Endlich

Freitag, 11. September 2009 10:18

Du suchst nach Worten, zu benennen,
was dir doch lange schon bekannt.
Dir fehlt der Abstand, zu erkennen:
du läufst im Kreise unverwandt.

Und wähntest schon dein Ziel zu sehen.
Die Zeit schritt unbarmherzig fort.
Doch was in Wirklichkeit geschehen,
fasst du mit keinem einz’gen Wort.

Nein, nicht gegönnt ist dir zu sagen,
wohin die Reise letztlich geht.
Und wirst du selbst den Himmel wagen,
zwingst du nicht, was dagegen steht.

Dir hilft allein, dich zu ergeben
in die begrenzte Endlichkeit.
Ja, jeder muss das erst erleben,
und dann, ja, endlich hat er Zeit.

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Archäologie persönlicher Aufzeichnungen

Freitag, 11. September 2009 10:17

Worte find ich, große, kleine,
unerfüllte Wünsche, Krisen,
manches Mal sogar noch eine
Spur zu alten Paradiesen.

Tagebuchnotizen wehren
das Vergessen ab, das lauert.
Stunden, die nicht wiederkehren
haben so doch überdauert.

Wenn sie auch nach vielen Jahren
jetzt in and’rem Licht erscheinen,
kann ich, was sie einmal waren
doch zu einem Bild vereinen,

bruchstückhaft wie alte Scherben.
Wer wird all das einmal lesen?
Und wer will die Scherben erben?
Was ist mehr als nur gewesen?

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