Beitrags-Archiv für die Kategory 'Nur für einen Moment'

Kurze Begegnung beim Laufen

Montag, 26. Oktober 2009 12:37

Du läufst vorbei. Ein Lächeln geht
von mir zu dir, von dir zu mir.
Vertrautheit, die im Raume steht,
ein Augenblick, wie eine Tür,

durch die man treten darf. Beklommen
geht man vorbei. Man ist ja fremd.
Durch Zufall ist man hergekommen
und ist bei allem doch gehemmt.

Weiß nicht, was aus dem Lächeln würde,
wenn man es plötzlich halten will.
Dann bist du fort, verwaist die Hürde.
Der ganze Wald liegt leer und still.

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Wettereinbruch

Freitag, 11. September 2009 11:12

Es stürmt. Ganz unversehens. Die Böen blättern
in Karten auf Terrassentischen.
Die Gäste sind ins Inn’re der Cafés gefloh’n
bevor der finst’re Himmel sich entleert.

Auf unsichtbaren Wendeltreppen klettern
verwelkte Blütenblätter himmelwärts, verwischen
das Sediment des Sommers und ein scharfer Ton,
ein trock’ner Husten hat den Platz gekehrt.

Ich sitze noch verwaist bei meiner Tasse,
der Cappuccino ist grad halb getrunken,
die Sahne friert, der Wolkenturm hat sie verdunkelt.
Ich halte Wache für das Xylophon

der Gläser, auf dem leis der Regen spielt und fasse
die Krempe meines Huts, noch ganz versunken
in jenes Licht, das in den Tropfen funkelt
und gehe irgendwann durchnässt davon.

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Vaison la Romaine

Freitag, 11. September 2009 11:11

Hellstes Licht. Und eine Stille,
die wie ein Pilaster trägt.
Träumend ausgestreckter Wille,
der Form gegen Farbe wägt.

An den Kirchengiebeln Fratzen,
Unkraut aus den Ritzen quillt.
Sandsteinmauern, darauf Katzen,
braun verstaubt ein Straßenschild.

Lass uns bei der Feige bleiben,
dort im Schatten lass uns ruh’n.
Federleichte Wolken treiben.
Alles bleibt uns noch zu tun!

Erst im Streit mit den Zikaden
fällt der Zeittakt jetzt zurück.
Kinder in den Brunnen baden.
Suchst du – findest du dein Glück.

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Letzter Urlaubsabend

Freitag, 11. September 2009 11:10

Eine Windbö jagt die and’re,
Haselbusch- und Erlenzweige
schreiben rauschend kalligraphisch,
wie mit schnell geführter Feder
Zeichen, die sich gleich verlier’n.

Unbeirrt von diesem Treiben
sitzen in dem hohen Rasen
die Kaninchen halb verborgen.
Und die Vögel blättern flüchtend
einen neuen Abend auf.

Während ich durchs Zimmer wand’re
geht das Licht ganz sacht zur Neige.
Wind beruhigt sich, melancholisch
seufzt ein Luftzug hin und wieder.
Leise klappern uns’re Tür’n.

Kurz nur konnten wir hier bleiben,
doch die Zeichen, die wir lasen,
halfen, fahren wir auch morgen.
Und erneut das Dunkel lichtend
nimmt der nächste Tag den Lauf.

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Tourettes sur Loup

Freitag, 11. September 2009 11:09

Endlos wirkende Kehren,
Berge hinauf und hinab.
Fülle wechselt mit Leeren.
Bläue, die alles gab,

fängt sich im Chor der Zikaden,
der selbst die Nächte durchdringt.
Landschaft mit Licht so beladen,
dass sie in Farben ertrinkt.

Feigen, Zitronen und Reben
drängen der Sonne sich auf.
Unermüdliches Leben
nimmt die Schwermut in Kauf,

die im Welken der Blüten
nach der Verschwendung erscheint.
Land der versunkenen Mythen,
Erde und Himmel vereint.

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Toscana

Freitag, 11. September 2009 11:08

Ein Bildband –
unser Drei- Wochen- Kanaan:
meerfarbig der Einband,
Platanenfolien, winddurchblättert,
Grasrispenkalligraphie.

Im Versmaß aufgebrochne Erde der Olivenhaine,
Absätze klatschmohnmarkiert.
Noch ohne Linienblatt: Zypressenzeilen.
Zitroneninterpunktion.

Gern
nähm ich eine Amselfeder,
„vecchia“,
schrieb
in den Wegrand
„zuhause“.

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„Tag, der den Sommer endet“

Freitag, 11. September 2009 11:06

Stockrosen frösteln, kalter Wind
lässt mich erschauern. Heiße Tage
im Handumdreh’n verschwunden sind.
Die überlange Hochdrucklage

ist fort. Wie jetzt der Vorhang fällt!
– aus Kühle, Regen, kargem Licht.
Noch eine kleine Weile hält
die Blütenpracht, die mich besticht

in ihrer flücht’gen Farbigkeit.
Schon huschen Hummeln überschnell,
in Blütenköpfen läuft die Zeit.
Der Abend ist nicht lang mehr hell.

Jetzt wird der Boden wieder kalt,
das Barfußlaufen hat ein Ende.
Die Äpfel fallen dumpf und bald
riecht es nach Fäulnis. Heiße Wände

auf denen Pfauenaugen dösten,
sind jetzt verlassen, blass und kahl.
Mit Sternenaugen Astern trösten.
Der Sommer blüht ein letztes Mal.

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Stilleben

Freitag, 11. September 2009 10:59

Strandrippeln.
Jemand
notierte
darauf
mit Herzmuscheln
die Melodie
rauschender Wellen.

Ein Flageolett
greift mein Atem
dazu
auf den Saiten
des Windes.

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Ronchamp

Freitag, 11. September 2009 10:58

Wie aus des Himmels Blau geschlagen,
gegossen für die Ewigkeit:
ein Bogen, selbst getragen tragend,
ein Mahnmal fern von Raum und Zeit

für Schönheit, und darin verborgen
für das, was alles überschreitet,
für gestern, heute nicht und morgen,
für das, was uns hinüberleitet

in eine Welt, selbst ohne Sprache,
fernab von Leid und Ungemach.
Ein Stückchen Heimat, eine Arche,
für alles, was zerbrechend brach

und oben treibt auf jener Welle,
von Zweifeln in der Tränenflut,
steht auf dem Berge die Kapelle.
In ihrem Raum wird alles gut.

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Nur für einen Moment

Freitag, 11. September 2009 10:57

Ein Scherenschnitt aus Mittagslicht
verzaubert die Garderobenwand.
Aus dieser Licht- und Schattensicht
hast du den Raum noch nicht gekannt.

Die Muster sind, wie schnell gezeichnet,
abstrakt und dennoch ganz konkret
und dir alleine zugeeignet,
der jetzt vor der Garderobe steht

und staunt. Ins Tägliche versonnen.
Doch da: das Sonnenlicht verschwand,
das Bild, das gerade erst begonnen,
verging, so wie es auch entstand.

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