Beitrags-Archiv für die Kategory 'Nur für einen Moment'

Mediterran

Freitag, 11. September 2009 10:56

Asphaltnattern, schwarze Linien
zwischen den Olivenhainen,
Feigenbäume, Licht und Pinien,
Tage, die wie endlos scheinen.

Unermüdlich die Zikaden,
Katzen ranken Mauern zu,
Wind mit Düften schwer beladen,
unter uns: Tourettes– sur- Loup.

Bläue wirkt schon ganz verblichen,
Hitze lässt fast alles ruh’n.
Zeit skizziert mit wen’gen Strichen,
es bleibt nichts für mich zu tun.

Nichts, als nur mich hinzugeben,
an die Farben, Brot und Wein.
Weiße Schmetterlinge schweben
in Lavendelfelder ein.

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Kalligraphie des Sommers

Freitag, 11. September 2009 10:55

Wind greift in den Tüll der Bäume,
g’rade zog der Tau ihn glatt.
Buchengruppenbild. Und Träume
tranken sich am Dunkel satt.

Dann vergeht der Wind zum Fächeln
tausendfacher Zweigehand.
Sonnenlicht wird wie ein Lächeln
auf den Horizont gespannt.

Hohes Gras am Fuß der Buchen
richtet seine Rispen auf.
Erste Schattenwürfe suchen
wie Mikado, schnell, im Lauf

des sich ständig dreh’nden Lichtes
sacht zu fallen, ohne Ziel.
Und schon wenig später bricht es
neue Schatten, neues Spiel.

Buchenstämme, Buchenäste,
scheinen stumm und unberührt,
haben eine breite, feste
Kapitale ausgeführt.

Alles ist ein feines Gleiten,
ebenso ein ruh’ges Steh’n.
Sonnenfarbenspiele streiten,
bis die Lichter untergeh’n

in ein tiefes Blau im Westen.
Bäume stehen unverwandt.
Eine Spur aus Lichterresten
führt erneut in dunkles Land.

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Idylle

Freitag, 11. September 2009 10:54

Die Stille heilt. Und dieses Licht
der winterklaren Nachmittage.
Und was aus Kinderkehlen bricht,
mal unentschieden, zaudernd, vage,

ob es ein Weinen oder Lachen werden soll,
das Blöken eines Schafs im Nachbargarten.
Am Baum der Meisenknödel sitzt ganz voll
von all den Gartenvogelarten,

die sich am Futterplatz verwöhnen
und auf das nächste Frühjahr warten.
Dann hin und wieder: Schnurren, Dröhnen,
Maschinen, die am Flugplatz starten

und großen, weißen Vögeln gleich
am blauen Horizont verschwinden.
Ich liege faul, ich liege weich,
kann mich verlier’n und wieder finden

an einem dieser Nachmittage.
Die Stille heilt. Und dieses Licht.
Ich brauche diese ruhigen Tage,
dann fürcht’ ich auch die and’ren nicht.

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Herbst

Freitag, 11. September 2009 10:53

Am Horizont die Wipfelwelle
läuft sanft am grauen Stadtrand aus.
Der Herbst gönnt ein paar klare, helle
Mittagsstunden. Und das Haus,

in dessen Nischen Schatten nisten,
wärmt sich noch einmal flüchtig auf.
Und wir, wir tun fast so als wüssten
wir nichts vom Jahreszeitenlauf,

und dösen in den Liegestühlen,
ergeben willig uns der Ruh.
Da wirft der Wind mit einer kühlen
und festen Hand die Türen zu.

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Der Ahorn brennt

Freitag, 11. September 2009 10:52

Der Ahorn brennt
und auch die Rhododendren.
Am Abendrot seilt sich
die kurze Nacht herab.

Ich kenne bald das Lied
der Amsel, jede Strophe,
nicht nur die letzte vor dem wehen Ruf,
nein, auch das Tändeln, die Elegie,

fast jeden Zwischenton, und auch
das Schweigen, das, ein mächt’ger Blasebalg,
das Augenfeuer treibt.
Ach, tritt zurück, die Funken fliegen.

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Aus Japan

Freitag, 11. September 2009 10:52

Ich schlafe am großen Wasser.
Morgens flutet der Tau
die Halligen der Seele.

Irisnetze, schwungvoll ausgeworfen
im Schatten der Augenblicke,
fischen von der Hand in den Mund.

Wenn sich die Pupille zuzieht,
zappelt dein Herz
wie das Zittern des Spiegelbilds

im großen Wasser.

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August

Freitag, 11. September 2009 10:51

August, dummer August!
Rote Backen haben die Äpfel
in deinem Gesicht.
Die letzte Wärme des Sommers scherzt.

Sonnenblumen lachen,
Hummeln summen mit,
wenn der Wind auf
den Zaundrähten ein Flageolett greift.

Bald kommt der Herbst
mit gedeckten Farben.
Die Tage straucheln,
fallen in die Arme früher Abende.

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Archäologische Grabungsstätte

Freitag, 11. September 2009 10:50

Umzäunt mit hohen Eisengittern
liegt das idyllische Terrain.
Die Luft ist frisch, wie nach Gewittern,
im Kopf Gedichte von Verlaine.

Wir schlendern durch das Gräberfeld
uralter Ahnen, ihre Tempel
sind streng. Es steht und fällt
das Abendland mit diesem Stempel.

Was wohl von uns einst bleibt,
wenn die Jahrtausende verstreichen?
Ob uns das Schicksal ganz zerreibt?
Ob wir an diese Ahnen reichen?

Mein Blick bleibt, als wir weiterfuhren,
noch lange jahrelang zurück.
Versonnen suche ich nach Spuren
von deinem und von meinem Glück.

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Am Rande des „de Manteling“

Freitag, 11. September 2009 10:49

Ausgekehlt, im Stamm gespalten
und die Äste weiß wie Knochen,
liegt der Rest von diesem alten
Baum, als sei ein Fluch gesprochen,

der im Augenblick verwarf,
was so lange widerstanden,
wenn die Stürme, wild und scharf,
immer wieder Opfer fanden

in der Eichen hohen Kronen.
Angepasst, geduckt und klein
stand er in geschützten Zonen.
Niemand wird vergessen sein.

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