Beitrags-Archiv für die Kategory 'Puppenmutter'

Nähe

Montag, 26. Oktober 2009 12:32

für Pauline zum 8. Geburtstag

Was will man mehr, als die Geschichten,
die man zwischen den Zeilen schrieb,
fast unbemerkt in all den dichten
Verpflichtungen. Was übrig blieb,

ist viel. Weiß man nur hinzuschauen:
ein Augenaufschlag, ein Geruch,
und trotz und alledem Vertrauen,
das tragen wird und immer trug.

Es sind nicht die spektakulären
Erinnerungen, die besteh’n,
oft sind es grad die ungefähren,
die leisen Spur’n, die nicht vergeh’n

und weiterführen, wenn schon lange
ein and’rer geht an deiner Hand,
ein Kuss, das Streicheln einer Wange,
das uns für alle Zeit verband.

Und was du weitergibst im Stillen,
auch wieder nur so zwischendrin.
Ach, Nähe folgt nicht uns’rem Willen.
Sie folgt dir heimlich, gleich wohin.

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Für Friederike

Montag, 26. Oktober 2009 12:29

Ja, Wille und Befangenheit –
so eins! Untrennbar noch.
Unendlich lang und kurz die Zeit,
unabsehbar erwartet doch.

Ach, ich erinnere mich gut,
wenn ich dich vorsichtig betrachte,
was man dann unterlässt und tut.
Nein, denke nicht, dass ich verachte,

was scheinbar nicht zusammenpasst.
Genauso habe ich gebebt,
wenn man die andren und sich selber hasst
und liebt und lebt.

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Für Henriette

Montag, 14. September 2009 14:15

Wo gab es soviel Zeit?
Zeit um zu reden –
fast eine Ewigkeit.
Und beinah jeden

trafst du viel seltener als mich.
Wo bist du jetzt?
Du, die mir glich.
Nur elektronisch noch vernetzt,

gehst du jetzt unbekannt
durch Straßen, Lidos und Alleen
in einem weit entfernten Land.
Wie wird es sein, das Wiedersehen,

nachdem wir hier nicht wagten,
wo es so nah gelegen hätte,
zu sagen, was wir lautlos fragten?
Ach, Henriette.

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Wie du, meine Tochter

Freitag, 11. September 2009 10:00

An den Fingern einer Hand
zählst du dir sechs Träume ab.
Und du schwebst auf Schaukelkufen
jedem Pegasus davon.

Angewurzelt, unverwandt,
in der Hand den Zauberstab,
hör ich dich von ferne rufen,
dieser Welt schon längst entfloh’n.

Und dem Geistchen, das ich rief,
will ich allen Platz einräumen.
Manchmal denk ich, ich verschlief

meine Zeit. In deinen Träumen
lass mich einfach mit dir zieh’n
und dem Ernst ein Stück entflieh’n.

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Sonntagsspaziergang auf dem Heger Friedhof

Freitag, 11. September 2009 9:59

Nein, nein, keinen Stein,
Erde will ich über mir haben.
Und mein Name soll dort sein:
hier liegt ‚Friederike’ begraben.

So sprichst du, sieben Jahre alt,
die kleine Schwester an der Hand.
Die hat drei weiße Kiesel gekrallt,
wie Hänsel, der dadurch nach Hause fand.

Du fragst und sprichst so klar,
wie einer, der dem Leben traut.
Keine Angst vor dem, was immer so war,
deine Stimme in der Stille wirkt laut.

Die Friedhofskapelle trägt Moos
auf ihren Stufen und ist ganz leer.
Nur ein paar Jahre, dann seid ihr groß
und wisst von heute nichts mehr.

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Puppenmutter

Freitag, 11. September 2009 9:58

Die kleinen Füße ragen aus dem Tragesack
wie selbstverständlich in die Welt hinein.
Das Baby schwankt, du trägst es huckepack,
und immer bleibt es ‚brav’ und klein.

Es lässt sich anzieh’n – wunderschöne Sachen,
du kleidest es so gerne aus und an,
das Baby lässt schier alles mit sich machen.
Du sprichst mit ihm und lächelst. Irgendwann

seh ich dich, mit dir eins wie heute,
nur größer und die Haut nicht ganz so weich,
zu deinen Füßen hockt die kleine Meute.

So manchen hast du stundenlang getragen,
jetzt leitest du erzählend in ein Reich,
in der sie – wie einst du – die ersten Schritte wagen.

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Paulines Nachtlied

Freitag, 11. September 2009 9:56

„Sing mir noch mal das alte Lied,
das mit dem Mond, du weißt es schon!“
Wer weiß, wie oft das noch geschieht,
wann er verklingt, der letzte Ton

der tausendfach gesung’nen Weise,
derweil du deinen Tag beschließt
und aufbrichst zu verborg’ner Reise
und träumend in das Dunkel siehst

aus dem du, Jahre ist es her, entkommen
in einen liebevollen Arm.
Ach, manchmal bin ich ganz beklommen.
Ich halte dich so fest und warm –

so würd ich gern gehalten werden
von irgendjemand, irgendwann,
an meinem letzten Tag auf Erden.
Doch wer stimmt mir ein Nachtlied an?

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Pauline

Freitag, 11. September 2009 9:55

Pauline! -bist der Inbegriff
der tiefen Lust am kleinen Leben,
und deiner zarten Hände Griff
kann mich aus jedem Trübsinn heben.

Dein Lächeln, durch und durch verschmitzt,
dein blondes Haar, vom Wind gestrählt,
vom ernsten Spiel bist du verschwitzt,
die Götter haben dich erwählt:

du sollst ein leuchtend Beispiel sein,
man braucht nicht viel zum inn’ren Glück.
Du bist so groß, bist du auch klein,
führst mich zu meinem Glück zurück.

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Henriette am Klavier

Freitag, 11. September 2009 9:55

Du, Hexenkind, greifst in die Tasten
und greifst im Handumdreh’n die Melodie,
die wie ein Ohrwurm in den Kopf einzieht.
Und alles, alles ist nur Spiel,

ist nur Musik. Im größten Hasten
setzt du dich hin, und die Gefühle, die
dich ganz beherrschten sind beim Lied
in hundert Augenblicke Schlaf gefallen. Viel-

leicht lässt du sie schlafen, Hexenkind.
Die Welt ist einfach jetzt: ganz schwarz und weiß,
der Rhythmus nicht vom Metronom, nein dir
bestimmt. Und deine Haare fallen frei

voll Anmut, wie die Hände. Und ich find
mich angewurzelt in der Tür. Kein Preis
wäre zu hoch zum Lauschen mir.
Da ist das Spiel auch schon vorbei.

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Für Henriette

Freitag, 11. September 2009 9:54

Grad brach der Frühling an,
die Osterglocken blühten auf.
Du hatt’st den ersten Schrei getan,
eröffnet deinen Lebenslauf

ganz kurz nach Mitternacht.
Jetzt herrschte Stille, Sonntagmorgen.
Ich hatt’ mich auf den Weg gemacht,
zur Feier Blumen zu besorgen

und stand vor fest verschloss’nen Türen
bei allen heimischen Geschäften.
So ließ ich mich dazu verführen,
– die Autos hupten laut nach Kräften –

euch einen Frühlingsstrauß zu rauben,
von Blumen, die am Berghang standen.
Mir war’s egal, was and’re glauben
und wie sie diesen Frevel fanden.

Mit Osterglocken und mit Zweigen
kam ich in eurem Zimmer an.
Die Sonne fing grad an zu steigen
und du erwachtest irgendwann.

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