Beitrags-Archiv für die Kategory 'Puppenmutter'

Friederike am Klavier

Freitag, 11. September 2009 9:53

Spiel doch das Stück noch mal,
„Dornröschen“, spiel es mir,
tu so, als wär der Raum ein Saal,
ein Flügel das Klavier.

Lass deine Finger fallen,
als wenn es Federn wär’n.
Hör wie die Töne hallen
in plötzlich and’ren Sphär’n.

Als gingen hundert Jahre
ins Seelenniemandsland,
in dem ich neu erfahre,
was scheinbar längst bekannt.

Komm lass Dornröschen schlafen,
sie atmet ruhig und tief.
Wo wir sie g’rade trafen,
war jeder mal und schlief

bis dass der Morgen nahte
zu eben jenem Kuss.
Pst! Sei jetzt still! Verrate
nicht, was dann kommen muss.

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An meine große Tochter

Freitag, 11. September 2009 9:52

Die ungestüme Schüchternheit,
dein wachverträumter Blick –
du bist zum Greifen nah und weit,
ganz weit. Führst mich zu mir zurück.

Noch weißt du wenig – und viel mehr
wohnt in dir, spürbar ungebrochen.
Die Phantasie treibt dich schier vor sich her,
als hättet ihr euch ganz versprochen.

Ich ziehe meine ausgestreckte Hand,
die dich noch grade lehren wollte
zurück. Und starre unverwandt

auf diese narbenarme Seelenhaut.
Ob ich es besser weiß – und stören sollte?
Wir sind ganz zwei. Und doch vertraut.

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Wie du, meine Tochter

Montag, 7. September 2009 14:17

An den Fingern einer Hand
zählst du dir sechs Träume ab.
Und du schwebst auf Schaukelkufen
jedem Pegasus davon.

Angewurzelt, unverwandt,
in der Hand den Zauberstab,
hör ich dich von ferne rufen,
dieser Welt schon längst entfloh’n.

Und dem Geistchen, das ich rief,
will ich allen Platz einräumen.
Manchmal denk ich, ich verschlief

meine Zeit. In deinen Träumen
lass mich einfach mit dir zieh’n
und dem Ernst ein Stück entflieh’n.

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