Beitrags-Archiv für die Kategory 'Schnitterlied'

Requiem für eine kleine Maus

Montag, 26. Oktober 2009 12:35

Wo bist du kleiner „Marathon“?
Hast du jetzt deine letzte Ruh?
Du gingst ganz unbemerkt davon.
Schaust du mir aus der Ferne zu?

Klar, weiß ich, warst du eine Maus.
Doch auch als Maus warst du nicht alt.
Grad baute ich dir noch ein Haus,
Nein, dich vergess’ ich  nicht so bald.

Wie man im Leben alles übt,
gibt’s eine Schule für Gefühle.
Ich hab dich, kleine Maus, geliebt.
Vielleicht war es des Winters Kühle,

die dich ganz plötzlich überrascht’.
Ach, ich seh dich im Rad noch laufen.
Du hast so gern wie ich genascht.
Ich könnt mir neue Mäuse kaufen,

doch ist es damit nicht getan.
Weil du mir wichtig warst, tut’s weh,
sei es auch nur noch dann und wann,
wenn ich in deine Ecke seh,

die leerer scheint, als sie es ist.
So wird es immer wieder sein:
wenn man etwas ganz stark vermisst,
fühlt man sich überall allein.

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Schwindlig

Freitag, 11. September 2009 11:18

Auf manchen Wegen spüre ich,
wie meinem Engel schwindlig wird.
Wenn Sehnsucht durch die Nächte strich
und jeder Satz zum Reim gefriert.

Dann bin ich da und außer mir,
in mir ist nichts, das bleiben will.
Ich spür die Klinke jener Tür
zum Weltall. Alles ist so still

und unscheinbar vor jenem Tor
durch das sich jedes Sein verliert.
So oft stand staunend ich davor,
dass meinem Engel schwindlig wird.

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Schnitterlied

Freitag, 11. September 2009 11:17

Mondsichelmahd.
Träume fallen zuhauf.
Welchen – die Sonne naht –
hebe ich auf?

Tiefer, im Rahmen
der stillen Pupille,
schlafender Samen
von Herz und Wille.

Zeige mir, silberner Schnitter,
die Ernte zu lesen!
Dunkel ist es. Und bitter-
kalt bei den Sternen gewesen.

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Schatten in Arkadien

Freitag, 11. September 2009 11:16

für Paul Celan

Augen auf
und Augen zu,
ein neuer Tag,
bald hast du Ruh.

Die Zeit,
das Rote Meer,
wich lang zurück,
umspült die Füße schon.

Versteckt im Schatten
triffst du Sophrosyne,
die zarte, die durch Adoption
grad erst zu mir gekommen.

Der Morgen ist so ruhig,
so ohne jeden Ton
und bleich
wie „schwarze Milch“.

Wann ist sie ausgetrunken?
Sprich mir Auge
vom Iriskranz
der Bläue.

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Chance

Freitag, 11. September 2009 11:14

Unsere gestürzten Engel –
totentraurig
taumeln sie
ins Antlitz
unserer Feinde,
lassen sich
hassen
von Herzen.
Ihre einzige Chance.

Der Schrei des Habichts
über uns.
Stille mischt ihn
ins Blut.
Schon
flattert
das Herz.

Und wieder
landet einer
anderswo.
Achselzuckend
legen sich
Flügel an.
Versteckt,
voller Scham.

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Auf der Schwelle

Freitag, 11. September 2009 11:13

Geöffnet liegt sie vor uns: weit,
die Landschaft, karg möbliert
mit den Insignien der Zeit.
Wir gingen ungeniert

durch frisch geworfnes Heu
und hielten uns an jedes Hand,
herzklopfend. Keinem war es neu,
es war das alte stille Land

das Land, wo Milch und Honig fließt.
Noch träumst du und du witterst nur,
und während du stumm weiterziehst,
folgst du im Herzen einer Spur,

die unerhört zu finden ist.
Kein Laut erschallt im weiten Land.
Du wendest dich mit einer List
und hast im Dämmern dich erkannt.

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