Beitrags-Archiv für die Kategory 'Unerhört'

Vertrauen

Freitag, 11. September 2009 10:12

Der Februar deckt weiß dein Grab.
Doch was ich hatte – und noch hab –
das liegt vor Kälte gut geschützt
tief in dem Boden uns’rer Liebe.

Ich hadere nicht mit dem Glück.
Auch geht mein Blick jetzt nicht zurück.
Nein, was mir augenblicklich nützt
ist, wenn ein jeder schweigend bliebe.

Damit ich den Flügelschlag höre,
der durch die Stille schwingt,
wenn ich den Engel beschwöre,
dass er dich heimwärts bringt.

Heimwärts zu Gottes Wissen
um die bedürftige Welt.
Werde ich dich auch vermissen,
weiß ich doch, dass er dich hält.

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Unerhört

Freitag, 11. September 2009 10:11

… das Kratzen
mit der rostigen Laubharke.
Wir kauften sie – weißt du noch wo?
Sieh doch,
das gelbe Markenzeichen,
schau!
Die Buchenblätter sind verstreut
auf deinem Grab

und schlaff. Wie
ausgefall’ne graue Haare
hängen sie in meinem Kamm.
Wer,
sag,
zog einen so graden Scheitel
wie du?

Meine Geburtstage,
plötzlich verwunschenen,
warten
auf deinen Kuss.

Manchmal
gieß ich das Efeu,
verzeih,
mit einer Flasche
Tokajer.

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Trauer

Freitag, 11. September 2009 10:06

So oft glaub ich dich an der Hand,
wenn sich mein Auge willenlos
betrinkt an Schönheit. Unverwandt
schau ich zur Seite, finde bloß

mein Bild von dir. Und das Erinnern
an deine Stimme fällt nicht schwer.
Des Nachts, wenn Mond und Sterne schimmern,
geht nur mein Atem, und so sehr

wünscht ich den deinen neben mir.
Ich denke oft, du kommst herein.
Und lausche angestrengt zur Tür.
Erwarte Schritte. Doch allein

durch mich lebt jetzt dies Haus.
Und Fernseh’n, Radio und Telefon,
die Bilder, jeder Blumenstrauß
sind halb verwaist. Und monoton

klingt meine Stimme, wenn ich mir
vorm Essen die Gebete spreche.
Wenn ich in meiner Tasse rühr,
wenn ich ein frisches Brötchen breche,

dann ist es mir, als wenn es hallt.
Du wirst jetzt neben mir fast jung.
Ich aber werd alleine alt.
Doch stützt mich die Erinnerung.

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Reime für eine, die ging

Freitag, 11. September 2009 10:05

Ach, deine Stimme war schrill.
Ich habe sie schnarrend im Ohr.
Immer nun bleibt sie still.
Sage doch, wo verlor

sie sich. Sage es mir.
Stell mir vor, hinter der Tür
steh’n deine Schuhe herum,
ausgetreten und stumm.

Reiß das Kalenderblatt
wie einen Vorhang herab.
Trauriger Blumen statt
werf ich dir Reime ins Grab.

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Noch immer

Freitag, 11. September 2009 10:04

Noch immer ist es…
als gingest du gedankenvoll
im Abendlicht an meiner Seite.
Die Straßen waren nicht mehr voll,
die Plätze zeigten leere Weite.

Und leere Weite war in dir.
Wenn ich mich heute rückbesinne,
seh ich dich wie vor einer Tür,
die Klinke in der Hand, beginne

dein Ahnen langsam zu begreifen.
Du hast dich selten ausgesprochen,
wollt’st nicht im Larmoyanten schweifen,
wenn ohnehin der Stab gebrochen.

Dein Sprechen folgte dem Kalkül
von Wissen, Sinn und von Moral.
Wer tragen kann, erträgt auch viel.
Und wer hat letztlich schon die Wahl?

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Ik zie jij altijd

Freitag, 11. September 2009 10:03

Wir saßen hier auf dieser Bank,
es ist zwei Jahre her.
Du warst dir selbst verborgen krank.
Dein Blick ging weit auf’s Meer.

Und dort hast du den Schnaps getrunken,
du frorest damals sehr.
Und kommend hast du stets gewunken,
doch war dein Herz schon schwer.

Du hast so gern zu Tisch gesessen
und kochtest stundenlang.
Dann gab es unser Lieblingsessen.
Dir war vorm Abend bang.

Und liefen wir entlang der Grachten,
war mir kein Weg zu weit.
Wir waren ernst, gleichwohl wir lachten
auch in der uns gebliebnen Zeit.

Ich wollt und konnte es nicht glauben,
du wirktest doch noch so vital.
Ein Schwarm grad aufgescheuchter Tauben –
so gingst du fort mit einem Mal.

Jetzt seh ich dich an allen Orten,
erinn’re jede Kleinigkeit
wie Dornen, die sich in mich bohrten.
Du glaubtest an die Ewigkeit,

die ich nicht zu erhoffen wage.
Der Mensch ist so entsetzlich klein.
So steh ich vor der großen Frage,
ich suche dich und bin allein.

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Großer Bruder

Freitag, 11. September 2009 10:02

Nur noch der Rasen deckt dich zu.
Du warst mein Bruder Michael.
So wie ein Pfeil warst du,
so sirrend schnell,

dem Dunkel gerade erst entkommen,
schon wieder eingetaucht darin.
Jahrzehnte denke ich beklommen
an einen tief’ren Sinn.

Warum hab ich dich nie geseh’n?
Stand nur an deinem Kindergrab.
Ich kann so vieles nicht versteh’n.
Ich bin geduldig, warte ab.

Vielleicht seh ich dich irgendwann
als kleinen Engel irgendwo.
Vielleicht komm ich dann bei dir an.
Erkenn ich dich dann – einfach so?

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