Requiem für eine kleine Maus

Montag, 26. Oktober 2009 12:35

Wo bist du kleiner „Marathon“?
Hast du jetzt deine letzte Ruh?
Du gingst ganz unbemerkt davon.
Schaust du mir aus der Ferne zu?

Klar, weiß ich, warst du eine Maus.
Doch auch als Maus warst du nicht alt.
Grad baute ich dir noch ein Haus,
Nein, dich vergess’ ich  nicht so bald.

Wie man im Leben alles übt,
gibt’s eine Schule für Gefühle.
Ich hab dich, kleine Maus, geliebt.
Vielleicht war es des Winters Kühle,

die dich ganz plötzlich überrascht’.
Ach, ich seh dich im Rad noch laufen.
Du hast so gern wie ich genascht.
Ich könnt mir neue Mäuse kaufen,

doch ist es damit nicht getan.
Weil du mir wichtig warst, tut’s weh,
sei es auch nur noch dann und wann,
wenn ich in deine Ecke seh,

die leerer scheint, als sie es ist.
So wird es immer wieder sein:
wenn man etwas ganz stark vermisst,
fühlt man sich überall allein.

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Nähe

Montag, 26. Oktober 2009 12:32

für Pauline zum 8. Geburtstag

Was will man mehr, als die Geschichten,
die man zwischen den Zeilen schrieb,
fast unbemerkt in all den dichten
Verpflichtungen. Was übrig blieb,

ist viel. Weiß man nur hinzuschauen:
ein Augenaufschlag, ein Geruch,
und trotz und alledem Vertrauen,
das tragen wird und immer trug.

Es sind nicht die spektakulären
Erinnerungen, die besteh’n,
oft sind es grad die ungefähren,
die leisen Spur’n, die nicht vergeh’n

und weiterführen, wenn schon lange
ein and’rer geht an deiner Hand,
ein Kuss, das Streicheln einer Wange,
das uns für alle Zeit verband.

Und was du weitergibst im Stillen,
auch wieder nur so zwischendrin.
Ach, Nähe folgt nicht uns’rem Willen.
Sie folgt dir heimlich, gleich wohin.

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Für Friederike

Montag, 26. Oktober 2009 12:29

Ja, Wille und Befangenheit –
so eins! Untrennbar noch.
Unendlich lang und kurz die Zeit,
unabsehbar erwartet doch.

Ach, ich erinnere mich gut,
wenn ich dich vorsichtig betrachte,
was man dann unterlässt und tut.
Nein, denke nicht, dass ich verachte,

was scheinbar nicht zusammenpasst.
Genauso habe ich gebebt,
wenn man die andren und sich selber hasst
und liebt und lebt.

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Der Tag kommt

Montag, 26. Oktober 2009 12:17

Der Tag kommt, dass wir Abschied nehmen,
noch scheint er heute ziemlich weit.
Noch ahnen wir ihn nur in Schemen,
doch irgendwann kommt sie, die Zeit.
Wünsch ich mir dann, zuerst zu gehen,
begleitet von vertrauter Hand?
Ich weiß es nicht, wir werden sehen,
das „Wann“ und „Wo“ bleibt unbekannt.
Doch einmal werden wir uns halten
und wissen um das letzte Mal.
So seltsam: alles scheint beim Alten
und doch kommt dann der freie Fall. [...]

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Küchenliedchen

Montag, 26. Oktober 2009 12:16

Sellerie, zwei Sorten, und Tomaten,
Estragon, ganz fein gehackt, dazu.
Das Rezept des Dressings sei verraten,
hör nur einen Augenblick mir zu.
Dijon- Senf, Olivenöl und Essig
aus Modena, fein vermengt,
und zu warmem Brot auf den Tisch getragen,
haben wir in gutem Cotes du Rhone ertränkt. [...]

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Nachlaß

Montag, 26. Oktober 2009 11:56

„Marius schlich sich auf Zehenspitzen durch den Garten. Langsam, damit der Kiesweg nicht knirschte. Es mochte eine Stunde nach Mittag sein. Der Innenhof des Hauses konnte sich vor der einfallenden Sonne nicht mehr verbergen.
Marius grinste. Verschluckte ein glucksendes Lachen. An Hemd und Hose hingen Grashalme, ein paar Blütenblätter. Er hatte im Gras gelegen und gedöst, als sie vorüberkam. Hinter den Rosenhecken hatte sie ihn nicht gesehen. Und er hatte keinen Ton von sich gegeben. Dann war sie im Garten verschwunden. Bestimmt in der Laube, bei den hochgewachsenen Fliederbüschen. Er wußte, daß sie sich gern sonnte. Und daß sie dabei gern unbeobachtet blieb. Versonnen verharrte Marius einen Augenblick. Ein Schimmer flog über seine Augen, wie eine flüchtige Glasur, unauslotbare Tiefe hinterlassend.
Manchmal hatte er das Gefühl, sie kaum zu kennen. Andere hätten vielleicht darüber gelacht. Es kümmerte ihn nicht. Etwas Besonderes war sie für ihn. Unfaßbar. Immer wieder entzog sie sich seinem Verständnis. Wie beschrieben in vielen Chansons. Binsenweisheiten ! [...]

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Stunden wie aus Staub

Mittwoch, 7. Oktober 2009 9:08

Stunden wie aus Staub
legen sich ganz sacht
wie im Herbst das Laub
nach durchstürmter Nacht.
Abschied liegt ganz nah,
blättert Wehmut auf,
was man lang schon sah,
nimmt jetzt seinen Lauf.
Wirfst dich einmal noch
in den Widerstand,
beugst dich letztlich doch,
nickst mit dem Verstand. [...]

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Segelboote

Mittwoch, 7. Oktober 2009 9:06

Segelboote auf dem See
kreuzen Schattenspielen gleich.
Wolken häufen sich wie Schnee,
Schilf steht zitternd, welk und bleich.
Wie die Segelboote ziehen
unsre Worte hin und her.
Manchen war viel Sinn verliehen,
andre sind ganz tot und leer. [...]

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Schnee

Mittwoch, 7. Oktober 2009 9:05

Schnee fällt auf die stillen Felder,
ja, ich denke, es wird kalt.
Hinterm Haus die Eichenwälder
stehen wie gemalt.
Und bald ist für eine Weile
alles sorgsam zugedeckt.
Plötzlich wirkt die ganze Eile
wie in’s Bett gesteckt. [...]

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Sad Lisa

Mittwoch, 7. Oktober 2009 9:03

Man kann nicht ernsthaft sagen, dass du ganz einfach bist.
Du hast auch viel zu tragen und das in kurzer Frist.
Ich kam ganz achtsam wartend ein Stück an dich heran,
mit vorsichtigen Worten, bis ich Vertrau’n gewann.
Dein Kommen wurd allmählich schon fast Institution.
Ich war nie Herr der Lage, doch freute ich mich schon
auf den Begegnungsritus, der wie ein Machtkampf schien.
Ach, deine Sprödigkeiten, die hab ich längst verzieh’n. [...]

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