Mondschein

Mittwoch, 19. Mai 2010 8:56

Mondschein, deine Silbermähne
hab ich fest gepackt und sacht
schaukeln alle Wolkenkähne,
wenn wir fliegen durch die Nacht. […]

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Für Tante Mathilde zum 80. Geburtstag

Mittwoch, 19. Mai 2010 8:54

Wenn ich an dich denke,
seh ich mich vor jener Tür
mit dem runden Klingelgriff,
mein, dass ich ihn noch spür.
Hör ein sanftes Schnarren
und dann eil’ge Schritte nah’n.
Und dann stehst du strahlend da,
gleich, was dir widerfahr’n. […]

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Wind hebt welke Blätter

Mittwoch, 19. Mai 2010 8:47

Wind hebt welke Blätter, weht sie achtlos über Weg und Felder hin,
wirbelt ziellos durch die Weite und am Himmel siehst du Vögel ziehen,
fort in ferne Länder, siehst dem Zug noch lange nach. […]

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Kurze Begegnung beim Laufen

Montag, 26. Oktober 2009 12:37

Du läufst vorbei. Ein Lächeln geht
von mir zu dir, von dir zu mir.
Vertrautheit, die im Raume steht,
ein Augenblick, wie eine Tür,

durch die man treten darf. Beklommen
geht man vorbei. Man ist ja fremd.
Durch Zufall ist man hergekommen
und ist bei allem doch gehemmt.

Weiß nicht, was aus dem Lächeln würde,
wenn man es plötzlich halten will.
Dann bist du fort, verwaist die Hürde.
Der ganze Wald liegt leer und still.

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Requiem für eine kleine Maus

Montag, 26. Oktober 2009 12:35

Wo bist du kleiner „Marathon“?
Hast du jetzt deine letzte Ruh?
Du gingst ganz unbemerkt davon.
Schaust du mir aus der Ferne zu?

Klar, weiß ich, warst du eine Maus.
Doch auch als Maus warst du nicht alt.
Grad baute ich dir noch ein Haus,
Nein, dich vergess’ ich  nicht so bald.

Wie man im Leben alles übt,
gibt’s eine Schule für Gefühle.
Ich hab dich, kleine Maus, geliebt.
Vielleicht war es des Winters Kühle,

die dich ganz plötzlich überrascht’.
Ach, ich seh dich im Rad noch laufen.
Du hast so gern wie ich genascht.
Ich könnt mir neue Mäuse kaufen,

doch ist es damit nicht getan.
Weil du mir wichtig warst, tut’s weh,
sei es auch nur noch dann und wann,
wenn ich in deine Ecke seh,

die leerer scheint, als sie es ist.
So wird es immer wieder sein:
wenn man etwas ganz stark vermisst,
fühlt man sich überall allein.

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Nähe

Montag, 26. Oktober 2009 12:32

für Pauline zum 8. Geburtstag

Was will man mehr, als die Geschichten,
die man zwischen den Zeilen schrieb,
fast unbemerkt in all den dichten
Verpflichtungen. Was übrig blieb,

ist viel. Weiß man nur hinzuschauen:
ein Augenaufschlag, ein Geruch,
und trotz und alledem Vertrauen,
das tragen wird und immer trug.

Es sind nicht die spektakulären
Erinnerungen, die besteh’n,
oft sind es grad die ungefähren,
die leisen Spur’n, die nicht vergeh’n

und weiterführen, wenn schon lange
ein and’rer geht an deiner Hand,
ein Kuss, das Streicheln einer Wange,
das uns für alle Zeit verband.

Und was du weitergibst im Stillen,
auch wieder nur so zwischendrin.
Ach, Nähe folgt nicht uns’rem Willen.
Sie folgt dir heimlich, gleich wohin.

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Für Friederike

Montag, 26. Oktober 2009 12:29

Ja, Wille und Befangenheit –
so eins! Untrennbar noch.
Unendlich lang und kurz die Zeit,
unabsehbar erwartet doch.

Ach, ich erinnere mich gut,
wenn ich dich vorsichtig betrachte,
was man dann unterlässt und tut.
Nein, denke nicht, dass ich verachte,

was scheinbar nicht zusammenpasst.
Genauso habe ich gebebt,
wenn man die andren und sich selber hasst
und liebt und lebt.

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Der Tag kommt

Montag, 26. Oktober 2009 12:17

Der Tag kommt, dass wir Abschied nehmen,
noch scheint er heute ziemlich weit.
Noch ahnen wir ihn nur in Schemen,
doch irgendwann kommt sie, die Zeit.
Wünsch ich mir dann, zuerst zu gehen,
begleitet von vertrauter Hand?
Ich weiß es nicht, wir werden sehen,
das „Wann“ und „Wo“ bleibt unbekannt.
Doch einmal werden wir uns halten
und wissen um das letzte Mal.
So seltsam: alles scheint beim Alten
und doch kommt dann der freie Fall. […]

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Küchenliedchen

Montag, 26. Oktober 2009 12:16

Sellerie, zwei Sorten, und Tomaten,
Estragon, ganz fein gehackt, dazu.
Das Rezept des Dressings sei verraten,
hör nur einen Augenblick mir zu.
Dijon- Senf, Olivenöl und Essig
aus Modena, fein vermengt,
und zu warmem Brot auf den Tisch getragen,
haben wir in gutem Cotes du Rhone ertränkt. […]

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Nachlaß

Montag, 26. Oktober 2009 11:56

„Marius schlich sich auf Zehenspitzen durch den Garten. Langsam, damit der Kiesweg nicht knirschte. Es mochte eine Stunde nach Mittag sein. Der Innenhof des Hauses konnte sich vor der einfallenden Sonne nicht mehr verbergen.
Marius grinste. Verschluckte ein glucksendes Lachen. An Hemd und Hose hingen Grashalme, ein paar Blütenblätter. Er hatte im Gras gelegen und gedöst, als sie vorüberkam. Hinter den Rosenhecken hatte sie ihn nicht gesehen. Und er hatte keinen Ton von sich gegeben. Dann war sie im Garten verschwunden. Bestimmt in der Laube, bei den hochgewachsenen Fliederbüschen. Er wußte, daß sie sich gern sonnte. Und daß sie dabei gern unbeobachtet blieb. Versonnen verharrte Marius einen Augenblick. Ein Schimmer flog über seine Augen, wie eine flüchtige Glasur, unauslotbare Tiefe hinterlassend.
Manchmal hatte er das Gefühl, sie kaum zu kennen. Andere hätten vielleicht darüber gelacht. Es kümmerte ihn nicht. Etwas Besonderes war sie für ihn. Unfaßbar. Immer wieder entzog sie sich seinem Verständnis. Wie beschrieben in vielen Chansons. Binsenweisheiten ! […]

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