Halt mich fest

Mittwoch, 7. Oktober 2009 8:47

Halt mich fest, es kommt die Zeit,
die mich vor mir fürchten lässt.
Sei nur da und sei bereit,
Ängste kriechen aus dem Nest.
Sind am Anfang noch so klein,
doch sie wachsen immerzu.
Und ich habe nichts,
sie zu verscheuchen.
Du sollst bei mir sein. [...]

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Feuerland

Mittwoch, 7. Oktober 2009 8:46

Es ist wieder Sonntagmorgen,
du wirst früh wie immer wach,
fühlst im Bett dich noch geborgen
und denkst über alles nach.
All die vielen Wichtigkeiten
sind von Ferne angeseh’n
eigentlich doch Nichtigkeiten,
eigentlich könnt’st du doch geh’n!
Name, Stellung, alles bliebe
dann zurück, ganz unbekannt,
ohne Freundschaft, ohne Liebe
gingst du fort nach Feuerland. [...]

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Eigentlich ist alles, wie es immer war

Mittwoch, 7. Oktober 2009 8:39

Eigentlich ist alles, wie es immer war,
äußerlich so ganz normal, dennoch sonderbar.
All die Selbstverständlichkeiten
werden mir schon schwer.
Zwischen den Gefälligkeiten
streift die Leere her.
Und sie droht sich einzunisten,
wo man’s erst nicht sieht.
Ich gäb viel darum zu wissen,
wie man ihr entflieht. [...]

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Du schaust

Mittwoch, 7. Oktober 2009 8:38

Du schaust mit mir zum Fenster raus.
Du rauchst und sprichst dabei kein Wort.
Die Welt ist selten ein Zuhaus,
und vieles kränkt dich immerfort.
Noch fühlen wir uns beide kräftig,
die Zeit hat uns bisher geschont.
Nach außen wirken wir geschäftig,
wir wissen längst, dass es nicht lohnt.
Auf alle uns’re Fragen bleiben
nur neue Fragen und kein Reim.
Und alle uns’re Tage treiben
der Reuse zu, dem Altenheim. [...]

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Du gingst davon

Mittwoch, 7. Oktober 2009 8:36

Du gingst davon, ganz ohne Zeichen,
nicht mal dir selbst war es bewusst.
Bestürzung wird Gewissheit weichen:
du wirst niemals gefragt, du musst.
Man stirbt nur selten, wie man lebte,
und steht nackt vor der Ewigkeit.
Und das, was ich mit dir erstrebte,
das bleibt verwaist seit dieser Zeit.
Du gingst davon, ganz ohne Geste,
als sei’st du gerade eben fort.
Von uns zwei’n bin ich jetzt der nächste.
Wo treff ich dich , an welchem Ort? [...]

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Daunenfedern

Mittwoch, 7. Oktober 2009 8:35

Fast wie Daunenfedern
fällt der erste Schnee,
liegt auf Feld und Wäldern,
wohin ich auch seh.
Lässt dem Blick entschwinden,
was uns unlieb ist
und die Stille finden,
die wir lang vermisst. [...]

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Aufgeregt

Mittwoch, 7. Oktober 2009 8:33

Aufgeregt erzählst du allen deinen Frust
und du spürst sie nicht, die kaum verborg’ne Lust,
die den eig’nen Wert nur an der Zahl der Gaffer misst
und die oft vertuschte Angst dabei vergisst. [...]

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Alles ist jetzt anders

Mittwoch, 7. Oktober 2009 8:30

Alles ist jetzt anders,
über Nacht fiel Schnee.
Bin wie eingefroren,
alles tut mir weh.
Glaub ich kann nicht einen einz’gen Finger rühr’n,
du alleine kannst mich halten, durch die Kälte führ’n. [...]

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All your bags are packed

Mittwoch, 7. Oktober 2009 8:28

Seh dich noch an meiner Hand
gerade eben steh’n,
und jetzt fliegst du in ein fernes Land.
Lass dich nur mit schwerem Herzen
durch die Sperre geh’n,
folge dir mit meinen Blicken unverwandt. [...]

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Abpfiff

Montag, 28. September 2009 15:20

Ein moosgrünes Blatt. Ebenmäßig glasiert. Mit ganz schlankem, sich in der Fuge verlierenden Stiel. Eingebettet in ein warmes, sandsteinhelles Ocker wie eine kostbare Gravur oder Intarsie.
Ihre Augen wanderten einen winzigen Schritt weiter. Zu einer ebensolchen, ebenmäßigen Schönheit. Alles geordnet. Ruhe. Wie in einer Kirche verlor sie sich, nach oben schauend, im Gewölbe des Jugendstilbahnhofs, folgte dem Deckenfries in seiner harmonischen Monotonie, bis die Arthrose ihrer Halswirbelsäule der Neigung des Kopfes schmerzhaft Einhalt gebot. Wie elektrisiert fuhr sie zusammen und stöhnte. Ganz leise.
Wie oft hatte sie diese Halle durchquert! Wie oft nach Kleingeld gesucht für den Fahrkartenautomaten. Sie hörte sein kurzes ‚Klick’ beim Eindruck der Tariftaste. ‚Klick’ – und nach dem Einwerfen des Geldes, das sie immer passend dabei hatte, ein Schnurren, wie von einer winzigen Spule. Stroh zu Gold. Lautlos glitt der Fahrschein in die Griffmulde. Im Aufdruck zogen sich winzige, kunstvolle Schlingen zentripetal in ein weißes, ovales Feld, das den Betrachter wie eine Abflussöffnung in die leere Tiefe rinnen ließ.

Wo Horst nur blieb!

Sie zog die heruntergerutschte Handtasche wieder auf die ungewohnte rechte Schulter. Seit ihr linker Arm anschwoll, beherzigte sie die vielen Faltblattratschläge und entlastete ihn, so oft sie daran dachte. [...]

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